Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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172 Ein jüdisches Lesebuch usw. Platz im Lesebuch finden, später auf der Oberstufe werden schon anspruchsvollere Lesestücke mit religiösem, dichterischem, wissenschaftlichem, philosophischem Gehalt in künstlerischerer Umrahmung behandelt werden. Sehr viel Gewinn kann man sich auf der Oberstufe von dichterischen Paraphrasen poetischer Stücke aus Bibel, Propheten, Psalmen, Pijutim versprechen, wie sie Herder, Byron u. a., auch neuere Uebersetzer und Nachschöpfer, wie M. A. Klausner, M. Sachs, Kautzsch, Duhm, J. Breuer, Zangwill (englisch) u. a. in glücklichster Form und Vollendung geboten haben. An dichterischer Prosa wird wohl kein Mangel sein, seitdem die ostjüdische Literatur einen solch unge־־ ahnten Aufschwung genommen und auch in deutscher mustergültiger Uebersetzung und Nachdichtung (M. Buber, Eliasberg, Feiwel, L. Strauss, Zlocisti, Zobel) vorliegen. Auch an geschieht- 1 i c h e r und philosophischer Prosa wäre wertvolle Ausbeute aus Mendelssohn, Grätz, Philippson, S. R. Hirsch, Berliner, H. Cohen, Karpeles und vielen andern lohnend und imschwer zu finden. Natürlich dürfte nur inhaltlich und stilistisch Vollendetes gewählt werden. Auch müsste jeder Stoff vermieden werden, der Anlass und Anknüpfung zu parteipolitischem Hader geben könnte. * Wir verhehlen uns nicht, dass zwei grosse Klippen zu überwinden sind: Es besteht erstens die Gefahr, dass beim Schüler durch allzu intensive Anteilnahme an der spezifischjüdischen Kultur weit das Interesse für die grossen Geisteswerke der deutschen Dichter geschwächt, beziehungsweise die Dichter selbst zurückgesetzt würden. Diese Gefahr erachten wir für gering. Denn bei aller Hochschätzung der dichterischen und didaktischen Qualitäten aller obengenannten jüdischen Dichter (die wir in Nachdichtungen den Schülern bieten) und Prosaisten werden wir unter ihren Werken wohl kaum welche nennen können, die einer Meist.erballade von Schiller, Goethe, Uhland den Platz im Unterricht streitig machen könnten. Nach wie vor werden daher diese Fürsten der Ballade ebenso wie ihre grossen Dramenwerke ihren Ehrenplatz im Unterrichts-