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Jeschurun · 1923-03-01 · Heft 3-4 (März 1923) · page 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 3-4 (März 1923)
Date
1923-03-01
Page
– (sequence 73)
Language
German
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Ein jüdisches Lesebuch usw. 169 ja auch unnatürlich, wenn nicht Temperament, Neigung, innerster Drang zur Mitteilung an die begeisterungfähige Jugend den Lehrenden zu einer perönlichen Stellungsnahme zum Gelesenen zwingen und zu einem Werturteil und freudigen Bekenntnis hinrisse. Takt und kluge Zurückhaltung sind hierbei natürlich notwendige Voraussetzung. Wäre es somit nicht endlich an der Zeit, dass an jüdischen Lehranstalten ein jüdisches Lesebuch Platz fände, ein Buch, das dem glaubensbegeisterten Lehrer zwanglos Stoffe und Gelegenheiten darböte, an denen er seinen Schülern seine Glaubensinnigkeit, sein Herz, sein Eigenstes in der Verschmelzung von Judentum und Humanität zeigen könnte, die Schönheit Japhets in den Zelten Scherns weilen lassen dürfte? Wenn irgend ein Unterricht, so ist es der deutsche, der ״herzhaft“ gegeben werden muss und wie soll das geschehen; wenn der Lehrer sein ״heilig glühend Herz״ vor seinen Schülern verbergen muss! Noch gilt es einem Einwand zu begegnen. Die ,,vernünftigen Tadler“ und Anhänger des Ewig-Gestrigen (auf keinem Gebiete gibt es 80 viele wie auf dem der Pädagogik) werden sagen: Wir brauchen gar kein spezifisch-jüdisches Lesebuch, um den Kindern jüdisches Denken und Empfinden beizubringen, das geschieht schon hinlänglich auch so bei gegebener Gelegenheit, bei der Durchnahme eines Stoffes aus der Bibel oder nachbiblischen Zeit (Lessing, Hebbel, Gutzkow, 0. Ludwig, Heine, Lenau u. a«. neuere Dichter). Gewiss ist nicht zu leugnen, dass schon immer ein umsichtiger Lehrer bei gegebener Veranlassung einer Erörterung jüdisch-theoretischer Fragen nicht gerade aus dem Wege ging. Aber wie vieles war da dem Zufall überlassen und wie selten wurde ein jüdischer Stoff mit voller Absicht gewählt und ausgebeutet und wie gering war der Baum für solche Erörterungen! Einige Beispiele aus meiner Praxis: Ich habe es nie verabsäumt, bei der Besprechung des ״Bing des Polykrates“ und der bedeutsamen Worte ״Mir grauet vor der Götter Neide״ die Frage auf zu werfen: Wie können Götter neidisch sein?, worauf ich auf den We3ensunterschied zwischen griechisch-anthropomorpher

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