Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Hohelied 107 erhält, geht er fort, und Sulamith muss ihn suchen gehn, sich unter Leiden seiner wieder wert machen. Diese heroischen Leiden fallen allen Frauen auf, man fragt sie, um wen leidest Du? V 9. Als ihre Schilderung aber Neugierde und Aufmerksamkeit erregen, da erkennt sie voll, was der Geliebte ihr gewesen und VI 2—3 weicht jetzt der fragenden Neugier aus. Bei ihrer Irrfahrt erweckt ihre Schönheit die Aufmerksamkeit, und Lockungen treten an sie heran VII 1—6. Sie widersteht heldenmütig. Jetzt erkennen beide sich Liebenden, dass sie einander unzertrennlich gehören (VII 7—14). In der Fremde jedoch können sie einander nicht angehören; man würde sie ob des fremden Geliebten verspotten VIII1—2. Erst in die Heimat zurückgekehrt, kann ihr Bund von neuem besiegelt werden. So ziehen sie denn (VIII 5—7) durch die Wüste zu endgültiger Vereinigung hinaus, sie gelehnt auf den Geliebten, um den sie gelitten, wie eine Mutter um ihr Kind Todeswehn erduldet. Es ist eine neue Hochzeitsfeier, die der ersten entspricht. Sie wird mit denselben Worteu eingeleitet: VIII5 (wie 1116) .מי זאת עולה מן המדבר Der Parallelismus der beiden Liederteile kündigt sich überhaupt in mannigfacher Form an: hier wie dort fühlt vor der Vereinigung die Braut die Sehnsucht schwellen und wachsen; ״ist sie krank vor Liebe0 II5 u. V 8, jede kleinste Storung könnte ihre Seele aus dem Gleichgewicht werfen: ״ich bitte Euch, weckt und erregt die Liebe nicht, bis es ihr selbst gefällt/4 So spricht sie vor der Verlobung II 7, vor der Hochzeit III5 und jetzt vor der letzten Wiedervereinigung VIII 4. Dass jetzt ihre Liebe reifer und voller geworden, das spricht sie deutlich aus, wenn sie sie sagt VII14, חדשים גם ישנים דודי צפנתי לך, dass neue Liebe sie schenken will zu der alten, die sie dem Geliebten bewahrt hat. So gliedert sich das Lied in zwei Hauptreihen: in die Geschichte einer bräutlichen und in die einer ehelichen Liebe: in beiden müssen zuerst von der liebenden Braut Leid