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Jeschurun · 1923-03-01 · Heft 3-4 (März 1923) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 3-4 (März 1923)
Date
1923-03-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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104 * Das Hohelied Hier sehliesst des Liedes erster und eigentlich leicht durchsichtiger Teil. Erst im zweiten Teile, an der Stelle V 2 beginnt das grosse Rätselraten. Hier erst ist die Lyrik, der Sprache fast nirgends von so deutlichen epischen Zügen durchbrochen, dass bestimmte exegetische Schlüsse zwingend herausgestellt werden können. Aber jede Texterklärung muss von absolut klaren, eindeutigen Worten ausgehen, aus deren unbezweifelbarem Sinne alle Verse der Unbestimmtheit und alle Dunkelheiten in langsamem Eingrenzungsverfahren aufgehellt und beleuchtet werden. Die Theorie der Modernen z. B., dass Schir Haschirim ein Schwerttanzlied der orientalischen Braut ist, baut sich auf den Vers VIII שובי שובי השולמית; der angeblich bedeuten soll: Dreh dich, dreh dich, Sulamith dreh dich, dreh dich, wir wollen Dich schauen! Was wollt an Sulamith ihr schauen? Den Schwerttanz des Kriegslagers! Aber nie und nirgends heisst שובי, drehe Dich! Bu dde war deshalb auch sogleich mit einer Konjunktur zur Hand: סובי סובי. Selbst diese ist ein Germanismus, ist deutsch gedacht, denn סבב heisst unmöglich sich drehen im Tanze1). Jedenfalls aber steht im hohen Liede ja שובי und nicht סובי. Das Wort sie sollen lassen stahn und keinen Dank dafür haben. Endlich passt auch das כמחולת nicht zu dem erzwungenen Sinn. Welche wissenschaftliche Ungeheuerlicbkeit, auf eine willkürliche Textänderung den ganzen Sinn des Werkes zu begründen! Die andere Schule (Ewald und Hitzig), deren Spuren Brod folgt, will Sulamith ihrem eigentlichen Geliebten, dem jungen Hirten, gewaltsam in den Harem Salomos entführen lassen. Wo aber steht im Liede ein Wort von Raub und Entführung? Welche einzige Stelle sollte so etwas bezeugen? Nun denn, der Vers VI12: לא ידעתי נפשי שמתני מרכבות עמי נדיב. " Unversehens hat meine Seele zum Wagen eines Edlen mich geführt und zu seinen Leuten“. *) vergl. II16 סוב לך und III2 ואסובבה בעיר.

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