Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Das Hohelied Stimmungsuntersehiede der einzelnen Lieder, die immer aus veränderten Situationen erwachsen sind, machen es Y0n vornherein wahrscheinlich, dass hier eine einzige, nicht alltägliche Liebes״ geschichte in all ihren Stadien geschildert werden soll. Wenn ein Erklärer überzeugen will, so muss er dem Leser den Weg, den er selbst gegangen ist, deutlich kennzeichnen, muss die Synthese des Ganzen vor seinen Augen sich wiederholen lassen, damit Schritt für Schritt die Kontrolle erfolgen kann, ob nicht willkürliche oder falsche Elemente in den Bau eingefügt sind. Dieser Gedanke sei für das Folgende massgebend. Im Beginn des Buches bittet die Braut: I 4 der Geliebte möge sie holen, (5—6) sie sei zur Arbeit bei anderen verstossen und hässlich geworden durch den Sonnenbrand, (Vers 7) sie müsse als Vermummte, Verhüllte bei Fremden umhergehen. Es erfolgt dann II8 ff. eine Aufforderung an die Geliebte: sie möge kommen, der Frühling sei da und die ganze Natur stehe in Blüte ״ בארצנוin unserem Lande“1). Daraus bestätigt sich neu, dass die Braut auf fremdem Boden weilt und dass die Vermählung für sie auch die Heimführung ins Heimatland, ins ״Haus der Mutter“ bedeuten wird. Die Hochzeit selbst kündigt sich in III 6 ff. durch den Hochzeitszug Salomos an, der von der Wüste heraufkommt (III6), und in herrlichem Schmucke uns erscheint (7—10). Dass von diesem Augenblicke an aus der Geliebten die junge Gattin geworden ist, verrät das Lied unzweifelhaft durch die Wendung IV4 מבעד לצמתך; jetzt hat sie mit dem Schleier ihr Haar verhüllt. Jetzt (IV 7—V 1) nur jetzt nennt das Lied sie sechsmal כלה; zugleich spricht das Lied vom Einzuge ins Land (IV 7) ״komm mit mir, Braut, vom Libanon“, spricht von dem Hochzeitsmahle: V 1 am Ende, wo die Freunde zu Speis und Trank gebeten werden. Die Zwischenstücke erklären sich aus diesen Hauptpartien ungezwungen. ג) natürlich ״Glosse“ bei den Modernen (Budde und Stade. S. 102).