Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Bticherbesprechungen werft ihr mir in meine Augen“, also ungenau. Es folgt dann: ,,r son khem jittäphel ‘immäkhem R. Chanina bar Chama, nitphal 4immähem R. C11. b• Ch.“, wofür es bei Str. gekürzt und die Eigenart des Textes verwischend lediglich heisst: ״R. Ch. b. Ch. 4ämar lähem möge sich mit euch befassen. Dieser sprach zu ihnen.“ Lies ferner statt: ״dann tragt mich eilends auf dem Ruhelager fort“: ״nehmt mich fort im Ruhelager und lauft“; statt: ״im Lehrhause sagte er dann44: ״als er eingetreten war (in das Lehrhaus), sagte er zu ihnen“; statt: ״während sie darüber nachsannen44: ״während sie sassen und darüber nachsannen44. Das ״und“ vor ״während‘4 steht nicht im Text. Zu . ״sagte er44 ist hinzuzufügen: ״zu ihnen44. Statt: ״da tragen sie ihn eilends auf dem Ruhelager fort. Man lief ihm nach44 lies: ״Da nahmen sie ihn fort im Ruhelager und liefen. Sie liefen hinter ihm her.4־ — In der Art dieses Beispiels ist die Uebersetzung der Texte auch sonst vielfach, sichtlich im Interesse der Kürze, ungenau. Str. hat offenbar auch einen gefälligen deutschen Ausdruck beabsichtigt. Aber dann ist es schwer, ja oft unmöglich, an den Texten die Eigenarten der Ausdrucksweise zu studieren. So nimmt es Str. in der S. 1 ebenfalls zitierten Stelle Qid. 4,1—3 mit den ״und44 des Textes nicht genau. Vor 3 fehlt in dieser Stelle eine Zwischenbemerkung über Abba Schaul. Sehr häufig zitiert Str. die den Texten eingefügten Bibelzitate in unserer, nicht in der jüdischen Art usw. Man kann ja überall verstehen, dass im Interesse der Kürzung und Zusammendrängung des Stoffes so verfahren ist. Aber, namentlich auch in den Zitaten aus dem Midrasch, machen sich solche Kürzungen störend bemerkbar. Alles dies soll keineswegs die Unentbehrlichkeit und den hohen Wert des von Str.-Bill Gebotenen herabsetzen. Es soll nur davor warnen, dass sich nun die neutestamentliehe Wissenschaft, ohne nachzuprüfen, auf StrJs Zitate verlässt, namentlich, wo es sich um ״formgeschichtliche44 Untersuchungen handelt. Auf die Hervorhebung der verschiedenen Arten von Sprüchen hat Str. infolge seiner Einstellung auf Inhalt und Realien nicht geachtet. Es gibt ja doch bei Jesus sowohl als bei den Rabbinen folgende Arten von Sprüchen, mit und ohne Schriftbeweis: singularische und pluralische, indikativische und imperativische, fragende. ״sei“-Sprüche, Participialsprüche mit und ohne ״jeder, der44, zwei- und dreigliedrige, positive und negative, antithetisch-parallele usw. Das gesamte Material wird erst übersehen werden können, wenn das 4bändige Werk fertig vorliegt. Die Auswertung all dieser reichen Schätze werden dann nur diejenigen Neutestamentler verstehen können, denen auch die Originaltexte zugänglich sind. Ich scbliesse mit einem Zitat aus dem 2. Bande Oswald Spenglers, der ja mancherlei gelegentlich sehr richtig sieht und treffend formuliert, obwohl er auch viel bietet, was eindringende Forschung als unhaltbar erkennt: II. S. 229 f. sagt Sp. sehr richtig: ״Für die Geschichte des talmudischen Judentums ist, da die hebräische Philologie mit der alttestamentliehen Forschung ein Fach bildet, kein weiteres Fach abgegrenzt worden und es wurde deshalb in allen grossen Religionsgeschichten, die ich kenne, die jede primitive Negerreligion — weil es eine Völkerkunde als Fach gibt — und jede indische Sekte in Betracht ziehen, vollständig v e r-