Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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86 Israel Zangwill als Dramatiker und Nationalen verbunden sind, dass dagegen alles übrige ,weiter nichts als Stimmungsmache ist, leichtverflogene, undefinierbare ״Erbauung“ (das ״mit Andacht Schwärmen“ Lessings), ein Gefühlsrausch an schönen Dichterworten, deren Gedankenhöhe den Durchschnittshörern kaum erklimmbar ist, der Gotteshöhe biblischer Flammenworte in ihrer Vielfältigkeit und Unerschöpflichkeit nur sehr selten nahekommend. Abseits von der Grundfrage des Dramas wäre mit einigen Worten noch zu verschiedenen im Stücke angeregten Problemen Stellung zu nehmen. Aus manchen Aeusserungen des Helden klingt die Meinung heraus, als best6he ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen Religion und Wissenschaft, als ob die heute geltenden Religionsformen die Fortschritte der Forschung hemmten. Denn wer nur auf ein Jenseits hinarbeite, der könne nicht schöpferisch und erfinderisch auf die Abschaffung und Erleichterung physischer und sozialer Uebel bedacht sein, ihm fehle der Anreiz zu weltlicher Betätigung. Keinem Klosterbruder (Berthold Schwarz als Ausnähme!) seien jemals epochemachende Erfindungen auf dem Gebiete der Technik, Soziologie, Bakteriologie etc. gelungen — -Wir wollen hier mit dem Verfasser, wenn es des Verfassers Ansicht ist, nicht rechten, ob die positiven Religionen nicht fast alle kulturgestaltenden und die Menschheit umwühlenden Kräfte von jeher entbunden haben, ob nicht alle Lebensströme der Kunst, Dramatik, Musik, kurz alle sog. ״schönen Künste“ aus einer Quelle, der Religion, ihren Ursprung nehmen. Dass die Religion auf das Gebiet der sog. ״exakten“ Wissenschaften so wenig befruchtend wirkte, liegt eben im Wesen der Religion, die sich so gar nicht an die Kräfte des Geistes, des Intellekts, sondern des Gemüts wendet und dort ihre Nährquellen sucht. Deshalb löst sie, nicht minder kulturfördernd als irgend eine Geistesmacht auf Erden, alle latenten Fähigkeiten des Menschen, Liebe, Leidenschaft, Opfer- und Heldenmut, Gottessehnsucht, Sehnsucht nach Schönheit und Vervollkommnung durch demütige Erkenntnis eigener Unvollkommenheit aus, Imponderabilien, die