Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Israel Zangwill als Dramatiker 85 der Gotteserkenntnis anspreehen (diesen Eindruck hatte ich wenigstens davon) und denkenden jüdischen Lesern zum Studium empfehlen. Für den tiefer Sehenden ist dieses Drama ein Zeugnis für die unbesiegliche Wahrheit jeder positiven, also auch der jüdischen Religion. Der Held selbst des Dramas (übrigens etwas spitzfindig argumentierend angelegt, trägt die Züge Zangwills) bleibt zwar bis zuletzt unüberzeugt bei seinem Diesseitsglauben (dies erfordert die dramatische Einheit des Charakters!), doch der Leser wird mit der Ueberzeugung entlassen, dass hier Herzensweisheit über V e r ־ n u n f t Weisheit den Sieg errungen. Es wird in glänzender, überwältigender Form gezeigt, dass die Religion (״die Metaphysik des Volkes“ nach Schopenhauer) sich auf wissenschaftliehe, scheinbar unerschütterliche Erkenntnisse und menschliehe Meinungen und Spekulationen nicht aufbauen lässt, sondern nur auf Höheres, Unfassbares und Unmessbares, über alle Erfahrung jenseitiges gerichtet sein muss. Durch eine Kontrastierung zweier Charaktere, des faustisch-stürmenden männlichen und des naiv-gläubigen weiblichen und durch den Sieg des letzteren, wird bis zur Evidenz dem Hörer nahegebracht, dass der Glaube eine Angelegenheit des Gemüts (Schleiermacher), ein unveräusserliches Privileg des Lebens gerade in seinen düstersten Auswirkungen bleiben muss, dass gerade die Bedürfnisse des Lebens ein Verbundensein der Einzelseele mit dem Ewigen, trotz aller Skepsis der Wissenschaft zum Erfordernis machen. Das Drama ist auch endlich als Experiment dafür lehrreich, wie eine monistische Kirche, ein ethischer Kultdienst (wie er von manchen, auch jüdischen Freigeistern gefordert wurde) in Wirklichkeit aussehen würde. Die Aufmachung daran (Kleidung, pomphafte Umzüge, Weihrauch, Musik etc.) sind Entlehnungen von den positiven Religionen, die nur dann den Charakter des Aeusserliehen und Formelhaften verlieren, wenn sie mit der Idee eines Höheren, Absoluten, Traditionsgeheiligten