Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Israel Zangw’111 als Dramatiker nach dem Tode erst das wahre Leben, das Paradies, Nirwana, Walhall bringt.1) Dies sind aber mehr philosophische Erkenntnisfragen, die eine dramatische Behandlung kaum vertragen würden. Was Zangwill in diesem Drama beschäftigt, das ist nur eine Anwendung der eben angeregten Fragen auf das unmittelbare Leben, es ist sozusagen eine praktische Frage: Es ist die Frage nach dem praktischen Wert der herrschenden, staatlich anerkannten Religionssysteme, die doch alle mehr oder weniger auf metaphysischer Grundlage beruhen und deren Gravitationspunkt in einem dunklen Jenseits liegt. Sind solche religiöse Vorstellungen für das praktische Leben nützlich und haltbar, fragt Zangwill. Hemmen sie nicht vielmehr den Fortschritt der Menschheit, statt ihn zu begünstigen? Dies ist die negative Seite, die Kritik der alten Systeme. Die positive Seite würde lauten: Wie bauen wir eine neue Religionsform ohne die Fehler der alten, eine solche, die nur auf ein Diesseitsleben eingestellt ist, die dem Leben Schönheit, Weite, Wärme, Grösse, Güte verleihen könnte, ohne immer die drohende Keule der Vergeltung im Jenseits zu schwingen. Wie können *) Der jüdische Standpunkt in der Frage des Diesseits, Jens e i t s , der Auferstehung, Vergeltung im Jenseits etc. ist bekanntlich ein vermittelnder. Die diesseitige Welt ein Reich für sich, ein Gottesreich mit Heiligkeitsvorschrilten, Vervollkommungsmöglichkeiten, die denen der jenseitigen Welt sicher nicht nachstehen. So der biblische Standpunkt. Vgl. darüber ausführlich J. Wohlgemuth, Die Unsterblichkeitslehre in der Bibel, Berlin 1899. Erst iB talmudischer Zeit entsteht die Streitfrage über das Jenseits, die Auferstehung, Arten und Formen, des Fortlebens nach dem Tode, Gegenstand des Streites zwischen Sadduzäern (Essäern) und Chassidäern. Josephus fasst das Fortleben nach dem Tode als eine Art verklärter Leiblichkeit, sublimierter körperlicher Fortexistenz auf. Maimonides will nur das selbständige Fortbestehen der Seele ohne jede körperliche Fortsetzung gelten lassen als eine Art Fortschreiten der Einzelseele im geistigen, von allen Leidenschaften geläuterten Schauen, in der Erweiterung der Erkenntnis bis zur Stufe der Engel (Erklärung zur Mischna Synhedrin, Abschnitt XI, 1), s. die einschlägigen Artikel ״Auferstehung“, ״Vergeltung“ u. a. in Hamburgers Real-Encyclopaedie.