Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Israel Zangwill als Dramatiker 81 von der Menschenvernunft schreiend geforderte Möglichkeit eines Fortlebens nach dem Tode, die natürlichste Ergänzung des Lebens! Und wenn ihr kaltherzigen Denker, ihr Männer, (so ruft die Mutter) euch für eine solche gemütsarme Religion gewinnen lasst, wir Frauen und Mütter werden aufstehen und sie in Stücke reissen! Mit diesen flammenden Worten stellt sie sich an die Leiche ihres Sohnes und ruft in die versammelte Menge: Auferstehung und ewiges Leben!״ Rauschend setzt die Orgel ein mit den mächtigen Tönen des Requiems, des Werkes, das nun zum Gedächtnis des Sohnes, des Verfassers seihst, ertönt. Mit diesem äusserst effektvollen, etwas melodramatischen Schluss fällt der Vorhang.- Es ist nicht leicht, dieses Drama, welches offenbar mehr zur Diskussion als zum Nacherleben herausfordert, auf dichterische und dramatische Qualitäten abzuschätzen. Gewiss ist es ein erhabenes Thema: Wie schaffen wir uns Erkenntnis und tiefste Welterklärung, und welche dieser Erklärungen ist geeignet, der grösstmöglichen Zahl der Menschen grösstmögliche Glückseligkeit zu verschaffen? Man spricht ja auch gemeiniglich von einer ״leichten“, ״bequemen“ oder einer ״schweren“ Religion. (Die jüdische gilt als eine schwere, da sie von ihren Gläubigen allerhand Entsagungen fordert.) Es ist auch eine artige, nicht ganz neue Frage: Diesseits- oder Jenseitsreligion? Religion des Genusses, der Sinnenfreude wie die der Griechen, bei denen das Leben durch den Tod ausgelöscht wird zu völligem Schattensein, (möchte doch Achilles im Schattenreiche mit dem Letzten der Äcker knechte sein Dasein tauschen, lieber als Herr über die sämtlichen nichtigen Toten zu sein, Odyssee, Ges. XI.) oder Religion des Asketismus, des Weltverzichts wie die der Christen, Inder u. a., denen diese Welt nur ein elender Kerker, das Jenseits aber 6