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Jeschurun · 1923-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1923) · page 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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70 Die Aussprachegruppen usw. lesen z. B. ein Wort wie ״ אםMutter“ nicht wie wir bald mit e bald mit kurzem, offenen i א0ו/ sondern lesen und schreiben es in beiden Fällen mit kurzem a. Das Gleiche gilt von Worten wie ״ בןSohn“, die nicht bald kurz mit e בן, bald mit langem a בנים, sondern in beiden Fällen mit a geschrieben erscheinen, wenn auch in letzteren Falle lang a wegen der Vortonstellung. Damit hat das spätere Sefardisch nur die negative Tatsache gemeinsam, dass auch es kein kurzes offenes i und u besitzt und die Quantität nicht durch Lauthelle differenzieren kann. Nun ist es ja zunächst garnicht anzunehmen, dass jenes baby- Ionische Zeichen wirklich immer ä gegolten hat. Vielleicht, ja sicher hat es ebensosehr Doppelfunktion gehabt wie das tiberische T. Und dann stellt sich heraus, dass die offene Kürze 1אפ usw. in der babylonischen Punktation durch kurz a ersetzt, — vielleicht wegen der Aufhellung als kurz ä empfunden, — in der sefardischen Aussprache aber einfach fortgelassen und der Länge gleich gesprochen worden ist, wie ja Idelsohn ausdrücklich notiert: äe1ü äelü! Aus der Geschichte wissen wir, dass die Sefardim später zur Zeit des Islam gemeinsam mit den Völkern dieses Glaubens über Persien bis an die indische Grenze, über Afrika bis nach Spanien und Südfrankreich und mit den Türken bis nach Bosnien wanderten. Mit den Spaniern und Portugiesen der nachislamischen Blütezeit sind sie dann auch als erste Juden nach den spanischen und portugiesischen Teilen Amerikas gelangt. — Welche Aussprache -bei den spanischen und nordafrikanischen Juden der vorislamischen Zeit im Gebrauche war, ist uns leider in keiner Form überliefert. In der traurigen Zeit des Gerusch Sefar di fluteten die Juden der Pyrenäenhalbinsel in die Ostländer des Mittelmeeres zurück, wo sie das Aschkenasische *verdrängten, aber mit den übrigen sefardischen Juden gänzlich verschmolzen, jedoch ihre spanische Sprache heimisch machten. Ein anderer Teil der Vertriebenen ging nach Holland und den übrigen abgefallenen Kolonien Spaniens und Portugals, sowie nach Frankreich und Livorno. Von Holland kamen sie nach Hamburg.

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