Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1923-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1923) · page 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 64)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2292929-2293019-2293021--06028-2299311
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

62 Die Aussprachegruppen usw. lehrte aller Art, auch Hebraisten nach dem christlichen Westen geflüchtet Von den altitalienischen Juden war man ״ חורChur“ zu hören gewöhnt, von den einwrändernden byzantinischen Gelehrten hörte man ״Chür“. Beides ist im weitesten Sinne des Wortes aschkenasisch, und doch beides gleich alt und gleich berechtigt. Es ist wohl denkbar, dass hier der Unterschied zwischen dem lateinischen u und dem grieehischen 0 ü zugrunde liegt; für nötig halte ich jedoch auch diese Annahme nicht. Keinesfalls aber ist das ostjüdische ü erst zur Zeit polnischer oder gar magyarischer Sprachherrschaft entstanden; nur verändert hat es sich im polnischen Sprachgebiete, nämlich aus ü in i. Vgl. hiergegen Cohn-Eschwege 1. c. Demgegenüber hatsich in Ungarn das rein byzantinisch-jüdische ״Schüruk“ erhalten. — Es ist angesichts dieser überragenden Bedeutung der ungarischen Aussprache eigentlich schade, dass Idelsohn von ihr keine Tabelle bringt. Man darf sie nicht nachihremheutigeo, stark zur ״Korrektheit“ neigenden Misch-Zustande beurteilen, sondern nach ihrer Stellung in der Geschichte der beiden Zweige des Aschkenasischen. Vgl. auch die Transskription משה Im eigentlichen Polen hat nun allerdings die Vermischung mit westaschkenasichen Elementen vermutlich schon vor langer Zeit begonnen, wahrscheinlich gleich nach Einströmen der deutschen Flüchtlinge in der Zeit Kasimirs des Grossen und kurz nachher. Woher eigentlich der östliche Zweig des Aschken. schon in so früher Vorzeit, schon vor dem Zustrom westeuropäischer Juden, seine spezifisch germanisch scheinende Stammbetonung gehabt und zwischen grammatisch betonenden Griechen und schwebend betonenden Magyaren und Türken bewahrt hat, ist nicht zweifelsfrei festzustellen. Ob slavische Einwirkung in Frage kommt, müsste ein Kenner des Slavischen entscheiden; 1j Für die westaschkenasische Judenheit finden wir ך oi im Juden-Schreins-Buch* der ״Kölner Laurenz-Pfarre, Traktat 100 durch den Namen ״Koifmann“ belegt: hier scheint altfranzösischer Einfluss vorzuliegen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.