Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1923-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1923) · page 63

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 63)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2293019-2293021--06027-2299310
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Aussprachegruppen usw. 61 ersten sefardischen Juden nach Hamburg, deutsche erst viel später. Hamburg und Amsterdam sind wie der שארית יוסף als Zeitgenosse erzählt, die aschkenasischen Gemeinden erst 1649 nach der Chmelnitzky־Revolution durch litauische und polnische Flüchtlinge gegründet worden. Dabei über wog in Hamburg das litauische Element, weshalb wir dort das Zere immer gleich äi gesprochen hören. In Westpreussen scheint der Landesdialekt das äi bewirkt zu haben. — Aus alledem ist nebenbei ersichtlich, dass östlich der Elbe von eigentlich deutscher Judenheit kaum die Rede sein kann. Wo es in alter Zeit so scheint, handelt es sich um rückgewanderte Litauer, die letzten Endes aus westlichem Judentum ihre Aussprache haben. — Aber auch diese haben ja das eigentliche Mittelalter, von 1500—1648, im Osten erlebt. Was nun das U anbetrifft, so haben wir es hier mit einem Merkmale zu tun, welches der deutsch-litauischen, bezw. der ungarisch-polnischen Aussprache von Urbeginn an zweifellos eigen ist. Der aus Südrussland stammende Ostzweig des Aschkenasischen hat hier ü, der aus Italien1) gekommene Westzweig u, während im Osten das Kamez u gelesen wird. Idelsohn hat auch hier nur die Feststellung gemacht und die historischen Zusammenhänge beiseite gelassen. Es wäre aber unrichtig, hieraus zu schliessen. dass die polnische oder ungarische Sprache mit ihren Vokalen diese Abweichung bewirkt hätte. Denn schon zur Zeit Reuchlins, im 16. Jahrhunderte, also zu einer Zeit, als unsere Väter äusserst selten aus Polen nach Deutschland wanderten, weil sie ja vor kurzem erst Polen aufgesucht und das ungastliehe, intolerante Deutschland zu meiden sich gewöhnt hatten, schon damals gab es unter den Hebraisten der deutschen Renaissance einen Streit über die Ausspsache des ״Kübbuz״, womit sie, nach Levita, das hebräische ו bezeichneten. Sie waren im Zweifel, ob sie es u oder ü zu sprechen hätten. Die Ursache des Streites ist klar. Aus Ungarn und anderen südöstlichen Ländern waren bei, und nach Sturz des Oströmerreiches Ge-!) Hier ist nur von Süditalien die Rede, das oström. Prowinc war. Ueber die Aussprache Roms und Norditaliens im vorsefardischen Mittelalter habe ich keine Klarheit gewonnen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.