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Jeschurun · 1923-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1923) · page 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 59)
Language
German
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Die Aussprachegruppen usw. 57 Ausläufer im Meere jüdischen Wissens den Ursprung dieser Gebete bildeu, oder ob nur allgemeine Anteilnahme der Juden am Geistesleben der Umwelt als geschichtliche Folie jener Gebete vorausgesetzt werden darf, — jedenfalls gab es ein oströmisch-palästinisches Judentum mit starkem Eigencharakter. Einige behaupten auch, das Gebet ונתנה תוקף könne, wenigstens in seiner jetzigen Gestalt, nur im südlichen Italien, zeitweise einer Provinz Ostroms also, — beheimatet sein, — also auch einem Lande, das heute nicht mehr dem Ritus Aschkenas angehört. Erst um die Wendezeit zwischen Merovingern und Karolingern hören wir, — ich erinnere an den Namen Kalonymos, — vom Eindringen oströmischen Judentums im römisch-deutschen Reiche. Fast nichts ist auf uns gekommen an Kenntnis über Ritus und Aussprache der vorkarolingischen jüdischen Gemeinden Deutschlands wie Regensburg und Köln, ln jener Zeit wurde ja im Abendlande noch wenig geschrieben, und so dürfen wir uns hierüber nicht wmndern. Eine Reihe umso deutlicherer Belege asehkenasischer Ausspräche besitzt man aus dem Orient selber. Als den deutlichsten davon dürfen wir wohl unsere hebräische Punkfation betrachten, die in ihrer jetzigen Gestalt aus der Schule von Tiberias hervorgegangen ist. Die liberianische Punktation beruht auf der aschkenasischen Aussprache, und es ist ein Widersinn, dass die Sefardim und die diesen folgende Sprachwissenschaft der Neuzeit ihr folgen. Es ist von den Freunden der aschkenasischen Aussprache zu allen Zeiten mit Recht der Einwand gegen die Sefardim erhoben worden, dass Kamez nicht bald ä, bald kurz ö bedeuten kann. Dazu hat noch ein berühmter Nichtfachmann, nämlich Hirsch in der Choreb-Vorrede bemerkt, dass auch der Kamez ״ קמץzusammenziehen“ des Mundes bedeutet, nämlich zum Aussprechen des ö Es ist tatsächlich in alten Masora-Handschriften, laut Forschung von Kahle, die Be- Zeichnung מקמץ פומא, Mundspitzen, gefunden worden. — Diese Bezeichnung passt zur aschken. Aussprache allein; es ist jedoch merkwürdig, dass sie schon damals in babylonisch punktierten Schriften gefunden wird. Selbstverständlich kann sie weder

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