Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Die Philosophie der Gegenwart usw. krititische Philosophie behält T. die gewaltige Entfernung zwischen dem Neukantianismus, der alle Gegenständlichkeit zu einem Erzeugnis des Subjekts macht, und der Religion, die an der objektiven Wirklichkeit festhält, im Auge. 5. Hier möchte ich einige religiöse, an jüdische Lehre anknüpfende Gedanken anfügen, die ich im Werk fand. Bei 0. Groos findet sich das Bild von der ״leidenden Gottheit, die in das Werden einmündet und leidet um Werdens willen. Was dahinter liegt als in sich ruhender Himmelsgrund, ist grenzenloses Licht, das unsere Augen blendet“. Das klingt an die Sätze wie על שלשה הקב״ה בוכה וכר, an und ähnelt den oft zitierten Anschauungen, nach denen Gott s. v. v. der Hilfe bedarf. Und bei Heymans steht die Auffassung, dass wir eine Stufenleiter der Verdienste kennen. Wer denkt da nicht an das talmudische:. מנין שבל צדיק וצדיק נותנץ לו מדור לפי כבודד? — Und nur anhangsweise erwähne ich des Soziologen P. Barth Meinung, dass allüberall die Religion von Gesetz zur Gesinnung strebt. IV* Mit diesem Ueberblick möchte ich das Referat beenden und weiteres der Lektüre überlassen, zu der ich meine Leser auffordere. Mein Bestreben richtete sich vornehmlich darauf, neben einer Momentaufnahme der Strömungen in der Philosophie die Behandlung des religiösen Problems aufzuzeigen, ich habe selbst bei der Lektüre mit Freude bestätigt gefunden, was ich bei meinen philosophischen Studien früher schon erfahren hatte: dass die heutige Philosophie nicht in einem Kampf des Hasses mit der Religion lebt. Vielmehr sind viel freundliche Aeusserungen und manches ernste Wrerben um die Religion zu konstatieren. Man darf sich dabei keinen Illusionen hingeben. Zum Beweis der Wahrheit irgend einer positiven Religion kommt es dabei nicht. Dazu ist die Philosophie viel zu vorsichtig und tastend. Dass aber eben diese zaghafte Philosophie so freundlich der Religion gesinnt ist, das ist umso erfreulicher, wenn man auf die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts zurückblickt. — Von den jüdischen Autoren ist Jerusalem, als Philosoph