Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Philosophie der Gegenwart usw. 35 stalten soll. Die lebendige — im Gegensatz zur geschichtlichen — Religion ist in einzelnen hochstehenden Menschen, wie Goethe, verwirklicht; sie ist der Gipfel der Religion. Doch bedarf es einer religiösen Einheit über den Personen; doch sei es nicht Aufgabe der Philosophie zu entscheiden, ob diese Einheit in der Weiterbildung des Christentums zu gewinnen oder neu zu bilden sei. Aebnlich erblickt N a t o r p in der Religion einen schöpferischen Faktor. Aber nicht nur der Frieden und die Liebe sei die Domäne der Religion, sondern nicht minder das Leid und der Unfriede, die die Religion zur Ueberwindung ihrer selbst aufrufen. Der praktische Standpunkt des Pädagogen kommt in Volkelts Darlegungen zum Ausdruck. In der Schrift ״Religion und Schule“ wird der Wert des Religionsunterrichts betont. Innerhalb eines freier gefassten Christentums finde Ws Auffassung von Gott Platz. 4. Naturgemäss finden wir bei den kirchlichen Philosophen die wärmste Bejahung der positiven Religion. Dabei ist von. Interesse, dass Baeumker (Katholik) den Gottesbegriff in de? Philosophie rational zu begründen strebt, trotz der hohen Bedeutung, die er dem religiösen Erleben als unmittelbarer Quelle des Gottesbewusstseins beimisst. Er vertritt einen metaphysischethischen Idealismus mit theistisch-teleologischem Grundgedanken. — Schwieriger ist T r 0 e 11 s c h s, des ehemaligen Heidelberger Religionsphilosophen, jetzigen Berliner Philosophen*), SteLungnähme zu umschreiben, da er immer mehr der Theologie entwachsen ist. Frühzeitig nahm er dem Dogma gegenüber einen kritischen Standpunkt ein, ihm nur einen praktischen Wert zuerkennend; diesen freilich hält er mit Nachdruck gegenüber dem Naturalismus fest. Im Studium der Soziallehren der Kirchen wrird die Geschichte der Religion vertieft. Bei aller Annäherung an die *) Während der Drucklegung dieses Aufsatzes ist Ernst Troeltsch viel zu früh gestorben. Der Kampf, zu den die jüdischen Religion* Philosophen gegen ihn gezwungen wTa1־en, weil er die Suprematie de! Christi. Religion lehrte, kann uns nicht zurückhalten, dem Grossen wärmste Bewunderung ins Grab nachzurufen.