Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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34 Die Philosophie der Gegenwart usw. er den Wunsch einer ethisch und rechtlich orientierten Organisation der Staaten auf die Propheten Israels zurück. 2. Diesen Systemen, für die Gott Wirklichkeit im metaphysischen Sinn ist, steht schroff der theoretische Atheismus eines Vaihinger gegenüber. Aber auch er — und das ist charakteristisch für unsere Gegenwart — beruhigt sich nicht dabei, sondern stellt die Frage nach der Stellung des theoretischen Atheismus zu den historischen Formen des Glaubens. Und die Antwort ist nicht negativ; — sie wird im Rahmen der ״Als-ob“ Lehre dahin gegeben, dass Religion und religiöse Formen eine wertvolle Fiktion sind, unter deren Wirkung die Menschen geläutert werden. — Den Wert der überlieferten Formen der religiösen Kunst und der ethischen Erfahrung, insbesondere des Christentums lehrt auch Toennies, der freilich nicht entfernt so negativistisch ist wie Vaihinger, vielmehr in der Verehrung des Allgeistes ein würdiges Objekt erblickt; nur muss man von der Religion des Sohnes zu der des Geistes fortschreiten (dies ist dem Christentum gegenüber gesagt). Von Mauthner will ich nur im Vorbeigehen sprechen. Ich glaube, dass eine völlig auf Sprachkritik eingestellte Philosophie nicht haltbar ist und die Behauptung, der substantivischen Welt komme keine Wirklichkeit zu, also sei auch Gott nicht wirklich, nicht bestehen kann. 3. Von anderem Gesichtspunkt wird die Religion von J. Cohn und Gesinnungsverwandten behandelt. Es handelt sich da z. T. um Anhänger der Wertphilosophie (Badische Schule), die die Kulturwissenschaft in stärkerem Mass als die naturwissenschaftlich orientierten Philosophen einbeziehen. Für Cohn wird die Religion die Retterin in der geistigen Zerrissenheit der Gegenwart: die Einheit der Kultur kann nur durch die Religion bewirkt werden. So bekommt sie weniger durch den Nachweis der transzendenten Wirklichkeit ihrer Inhalte als durch die synthetisierende Kraft und die Wegweisung ihren Platz im System; sie selbst ist kein Wertgebiet sondern die Einheit, die Sein und Werte umschliesst und das Leben ge-