Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Philosophie der Gegenwart usw. 29 seinem Lebensabend ausführlicher sein zu dürfen glaubte, versteht mit einer bewundernswerten Zurückhaltung zu schreiben, die auch den Schein der Eitelkeit vernichtet. — Auf der anderen Seite ist nicht jeder imstande, auf wenigen Seiten seine Forschung zu umreissen. Nicht nur die darstellerische Fähigkeit spricht da mit, sondern auch der Umstand, wie weit ein System bereits der Vollendung nahe gekommen ist; endlich ist die Richtung des Denkers von Ausschlag: ein rationalistisch veranlagter wird zu grösserer Klarheit befähigt sein als etwa ein Mystiker und kirchlicher Philosoph (zu letzteren wäre Baeumker zu zählen). Zu denen, welchen die Wiedergabe ihres Systems besonders gelungen ist, möchte ich ausser den drei oben rühmlich hervorgehobenen noch V 0 1 k e 11 und G r 0 0 s nennen, ohne damit die vielen anderen etwa als minder wertvoll anzusehen. Meinon gs Beitrag hat Anspruch auf besondere Anerkennung; auch in dieser Arbeit hat der Führer der österreichischen Philosophie sich als Meister bewährt. Es ist in diesem Zusammenhang nicht einmal möglich, einige allgemeine Betrachtungen über die Systeme anzustellen. Doch wird es den Leser interessieren, dass relativ viele Metaphysiker zum Wort kommen, dass also der Realismus in der Gegenwart einen neuen Siegeslauf antritt. (Driesch, Heymans, Messer, Jerusalem, Groos, Baeumker, Becher, Volkelt.) Gar mancher kam von der Naturwissenschaft, andere sind Historiker, Soziologen, Philologen von Haus aus. Driesch war zwanzig Jahre Zoologe, bevor er zur reinen Philosophie überging, manche waren viele Jahre Lehrer (Höfler, Messer, Jerusalem etc.). Es ist also manches Typische in der Gegenwartsphilosophie, wozu man auch das religiöse Elternhaus (s. u.) vieler zählen kann. Die Tatsache, dass unter den Philosophen viele ״ outsider“ sind, die erst spät zur Philosophie gekommen sind, andere, die jedenfalls den speziellen Wissenschaften viel Zeit gewidmet haben, ist frappant. Sie verstehen somit ein ״Handwerk“, was C. Stumpf als Erfordernis bezeichnet. Soll ich noch ein Bekenntnis ablegen, so ist es das, dass mir am meisten die Verfasser geben, welche von Phaeno-