Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Die religiöse Immanenz 27 XVII. In der philosophischen Erkenntnis muss die Vitalität überwunden sein, so sagten wir schon. Aber auch unsere philosophische Erkenntnis ruht in unserer seelischen Totalität. So finden wir in uns das ewige Wechselspiel von Unmittelbarkeit und Erkenntnis. Kein Widerspruch, nur ein Paradoxon, eine notwendige innere Selbstentwicklung. — Noch einmal möchten wir zum Vergleich da3 Künstlertum beschweren. Auch der Künstler mag seine künstlerische Existenz gelegentlich, erkennerisch reflektieren, wie es selbst Linardo da Vinci in hervorragender Weise getan hat. Noch hier blieb er der erhabene Bildner. Er wusste in genialer Naivität, dass jeder lebendige Seeleninhalt von seinem gedanklichen Reflex in seiner Unmittelbarkeit jedenfalls nicht betroffen werden darf. Die künstlerische Vitalität brach durch und überwand. Aeknlich in unserer allgemeinen nicht mehr religiös umschriebenen Lebensgestalt: Erkenntnis überwindet die Vitalität, aber auch sie die Erkenntnis. Es ergibt sich ein ewig-notwendiges Wechselspiel, das nur als höhere Immanenz wieder begriffen werden muss, in einer umfassenden Philosophie des Geistes. Denn im lebendigen Geiste ist uns die ganze Frage aufgegeben. Auch der Weg zur Lösung entspringt aus dem lebendigen Geist. Die Philosophie und die der Geg Religion. (Zugleich eine Besprechung von ״Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen“1) von Br. Oskar Wolfsberg, Berlin. Selbst wer der zeitgenössischen Philosophie mit reger Teilnähme folgt, hat Mühe, die grosse Zahl der Richtungen und Vertreter zu überschauen. Es kommt hinzu, dass gar mancher ב) Bd. I—III herausgegeben von Dr. Raymund Schmidt, Verlag von Felix Meiner, Leipzig 1921—1922. Weitere Bände sollen folgen.