Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Die religiöse Immanenz wie bei uns zur Selbsterkenntnis gelangt ist — auch gelingen, sich der Einsicht der Immanenz dialektisch zu entreissen, und es drängt zu einer neuen Transcendenz, die gleichwohl nur dialektisch erreichbar in ihrem intuitiven Charakter gerechtfertigt ist. Hier ist nur ein Einzelakt des oft fast tragischen Schauspiels des menschlichen Geistes, der zur Selbsterkenntnis strebt und in der Selbsterkenntnis erstickt zu werden droht. In der philosophischen und persönlichkeitlichen Energie des einzelnen Menschen liegt es, diese Antinomie zu tragen und dennoch zur neuen Synthese vorzudringen. Mir scheint: Wenn der Standpunkt der Immanenz vor sich selbst gekennzeichnet und betont ist, kann in Aufrichtigkeit eine eigene religiöse Schau und Unmittelbarkeit ausgesprochen werden, die — philosophisch gesprochen —: nur ״relativ“, lebendigreligiös gesprochen —: ״absolut“ darsteht. Als denkende und selbstreflektierende Wesen dürfen wir niemals die erkenntnistheoretische Polarität: ״Sein“ und ״Denken über das Sein“ leugnen und fahrlässig übersehen. Aber wir können sie philosophisch vertiefen und sie in unserer ganzen inneren Daseinsfülle tragend — : bejahend überwinden. — — (Comte zwar wollte jede auf diesen Dualismus im Bewusstsein gegründete Methodik dadurch ad absurdum führen, dass er ganz unbegreiflicherweise als Beweis anführte: weil es immer der gleiche Intellekt sei, der denke, sei auch das beobachtende Organ identisch mit dem beobachteten. Dies war fast bizarr ein Verzicht auf jede Psychologie' und Erkenntniskritik. Wie weit dieser ganze Fehler in seinem philosophischen System begründet sein mag und zu begreifen ist, brauchen wir hier nicht weiter zu untersuchen. Jedenfalls widerlegt ihn schon die einfachste Erfahrung, und es kommt uns garnicht auf das Organ an, das einmal beobachtet und andeimal b e 0 b - achtet wird. Denn dieses ״Organ“ ist ja garnicht Inhalt unseres Bewusstseins, sondern Gegenstand des physiologischen und psychologischen Experiments. Wir bleiben ganz erkenntniskritisch in der Fülle des Bewusstseins und gehen kritischsystematisch von dieser ״inneren Erfahrung“ aus.)