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Jeschurun · 1923-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1923) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Die religiöse Immanenz 23 Und G h a z a 1 i, der die ״Vernichtung der Philosophen“ (Tahäiut-al-faläsifat) schon Ende des 11. Jahrhunderts vollführt zu haben hoffte und nach Jahren innerer Verzweiflung zu neuer religiöser Intuition empor sich rang, vollzog auf solcher intuitiven Grundlage eine bewundernswerte Kritik des menschlichen Erkenntnisvermögens und erfasste derart die Heterogenität von erkenntnismässiger und religiöser Betrachtung und Lebensgestalt, dass er jeder Art wissenschaftlichen Glaubens und geglaubter Wissenschaft, jeder Vermengung grundverschiedenster Seelenhaftigkeiten als einer Verwirrung fast prophetisch entgegentrat. Hier beschäftigt uns nur die geistige Struktur seines Gedankentums. Kardinal trennt er die intellektuelle Erkenntnis von der religösen Schau und stellt zwrei grundverschiedene Erkenntnisorgane hin: aql (Verstand) und qalb (das Herz). Völlig lehnt er es ab, diese beiden Erkenntnis weisen zu vermengen, sogar aufeinander zu beziehen. ״Qalb“ wird ein fast transzendenter Begriff. Zwar könnten Religion und Wissenschaft einander ergänzen, und ihren Berührungspunkten müsse lebhaft Rechnung getragen sein. Aber in ihrer Grundkonzeption haben sie Nichts miteinander gemein. Aus dem Iutuitions- Charakter wird mit grösstem Scharfsinn immer wieder deduziert, und er selbst wrar so intuitiv der Gewissheit voll, dass er sein aufbauendes Werk ״die Wiederbelebung der religiösen Wissen- Schaft“ (Ihjä ‘ulüm-id-äin) nennen konnte. Ueberhaupt braucht man nur irgend ein Kapitel jeder religiös-spekulativ bewegten Zeit aufzublättern, und man begegnet fast in jeder Zeile geistesgeschichtlicher Bekräftigung unserer Auffassung. Zum Ueberfluss nennen wir noch Franz v. Baader und Eschenmayer. Baader nannte unser menschliches Wissen ein Mitwissen (conscientia) des göttlichen Wissens und musste im gleichen Zusammenhang doch zugeben, dass Gott nicht bewiesen werden könne, nur die unmittelbare Ueberzeugung von Gott könne und müsse immer klarer gemacht sein. Unser ״Gewissen“, d. h. ״Sich-Wissen“ ist zugleich ein Wissen vom Gewuisstwerden durch einen Höheren, usw. usw., der Mensch: das sprechende und wirksame Bild Gottes. — Wenn

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