Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22 Die religiöse Immanenz XIV. Noch ein kurzes Wort über unseren Standpunkt der Immanenz. Er ist eigentlich nur eine erkenntnismässige Reflexion über die ganze religiöse Vitalität, aus der Innerlichkeit dieser religiösen Vitalität geschöpft. Wir zeigten, wie der ganze Urprozess das eigentliche Religiöse ist, und wie in dieser letzten Aktivität das religiöse Dasein sich vollzieht. Der Standpunkt der Immanenz ist ein religiöser Intuitionismus und besagt, dass die religiöse Schau Alles, die Lebensgestaltung aus dieser religiösen Schau das eigentlich religiöse Dasein ist. Sodass wir hier an der eigentlichen Urquelle stehen, die brausend jede religiöse Wirklichkeit aus sich entlässt. Und in tiefsinniger Einheitlichkeit erkennen wir hier den gemeinsamen Urprozess, der alle religiöse Lebens- und Geistesgestaltung zu allen Zeiten gleichmässig geboren und getragen hat. Die ganze Irrationalität des religiösen Lebens folgt aus diesem Intuitionismus. Alle paradoxen Erscheinungen, Bekehrungen, alle plötzliche Umkehr, das Neophytentum, ebenso aber auch aller Zweifel, alles Verlassen hergebrachter religiöser Formkreise oder das Verlassen religiöser Einstellungen überhaupt findet hier seine Erklärung. Das jüdische Postulat der E m u n 0 h ist nichts als diese religiöse Intuition, dogmatisch-historisch ausgebreitet und spezifiziert. — אני מאמין באמונה שלמה, sagt Maimonides. Das ist die gewisseste Selbstgewissheit der Intuition. — Und ״Lebensquelltf (מקור חיים, Fons vitae) nannte G a b i r 0 1 sein religionsphilosophisches Hauptwerk (nicht ohne tiefe innerliehe Zusammenhangsfülle mit unserem Standpunkt), und Lebensquell ist ihm auch jener von ihm nur in der ekstatischen Intuition erschaubare göttliche Wille, zugleich die Gottheit, die wohl aus systematischen Gründen in den scholastischen Zusammenhang mit der universellen Materie und der universellen Form gesetzt ist, diese konstruierte Gebundenheit aber sofort sprengt, wenn der Denker jenseits erkenntnismässiger Betrachtung in der religiösen Existenz sich lebendig zur Erlösung bringt. —