Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die religiöse Immanenz 21 begonnen wird. Daher wurde alles Notwendige definiert: eine Tatsache, die manche schöne Seele wohl ärgerlich erfährt, die aber zur Klärung erforderlich ist. Was aber geklärt wird, ist eine seelische Unendlichkeit, die erst unmittelbar in uns gelebt sein musste, ehe sie als Immanenz erkannt werden konnte. Die Unmittelbarkeit aber ist die persönliche Existenz; Immanenz .als Erkenntnisinhalt eine überpersönliche Wahrheit. Mit seiner Existenz verbleibt Jeder in sich, mit seiner Erkenntnis überbrückt er die seelischen Unnahbarkeiten, verbindet sich mit anderen Wesen, die alle erst ihre Vitalität zu Gunsten einer wenn auch im Lebensimpuls immer wieder aufzuhebenden Erkenntnis überwinden mussten. Wie wir auch dieses dem zusammenhängenden Gedankenbau einbeziehen, werden wir gleich noch andeuten. Nicht Jeder ist fähig, unseren schwierigen Weg der Klärung mitzugehen. Er möge weiter nur unmittelbar sein. Für alle haben wir gedacht, die gleich uns die Problematik sehen und sich ihrer nicht erwehren können; die plötzlich entdecken, welch neues Lehen in solchem Erkennen liegen mag; die unmittelbar und mittelbar zugleich das ganze nie aufgehobene Eätsel (ein Faktum bloss, wie jeder Psychologe und Erkenntnistheoretiker weiss) miterläutern möchten. Sie mögen auch diese Untersuchung nachdenken und weiterdenken. Denn hier münden wir in weiteste philosophische Zusammenhänge: in eine Problem- Stellung, die sich auf das ganze menschliche Bewusstsein und dessen Verhältnis zur vom naiven Denken sogenannten Wirklichkeit bezieht. Und der ״ Gegenstand“ des religiösen Bewusstseins ist hauptsächlich das ״Unendliche“ in dem schwierigen Widerspiel mit aller endlicher Kreatur. Eine höchst sonderbare Seelentatsache, die auch in ganz anderen Zusammenhängen allerdings von Flaubert ausgesprochen wurde: ״Die Sinne spielen in ihr keine Roll© und das Unendliehe allein gibt ihr den Seeleninhalt.״ —