Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Die religiöse Immanenz logisch, schon auf die Seinsart der Gottheit bezogen, während unser Begriff der Immanenz gar nicht von den einzelnen religiösen Inhalten ausgeht und sich auf sie bezieht, sondern die Totalität alles religiösen Lebens als seelische Immanenz fasst und nur so als philosophisch begreifbar und auch zu rechtfertigen sich befugt erkennt. Die Immanenz oder Transzendenz Gottes bedeutet in sinngemässer Uebersetzung: Innerweltlieh keit oder Ausserweltiichkeit. Unsere Lehre von der Immanenz aber bedeutet in sinngemässer Uebersetzung: Inuerbewusstseinshaftigkeit aller religiösen Tatsachenfülle. Dort ein ontologischer, m etap hy sischer, hier ein erkenntniskritischer Begriff.- Dass beide mal das gleiche Wort ״Immanenz“ wiederkehrt, ist nur eines der vielen Dunkelheit verbreitenden Vorkommnisse in der Geschichte der philosophischen Terminologie. Unser Begriff der Immanenz liegt in der Richtung mancher erkenntnistheoretischen Immanenzphilosophie und der modernen Phänomenologie. Auch hinter unserer Untersuchung steht eine ganz bestimmte erkenntnistheoretische Ueberzeugung. — Das ontologische Problem der Gottheit usw. wird erst sekundär erörterbar, und auch nur aus dem Geist der Immanenz. Nicht umsonst sind wir auch in positiver Hinsicht erst durch eine läuternde kritische Schule gegangen. — XIII. Eine neue Einstellung zu allen, religiösen Inhalten wird durch unsere Erkenntnis der religiösen Immanenz ermöglicht. Wenn die Fruchtbarkeit einer neuen Erkenntnis ihr noch weiteren Wert verleiht, so nehmen wir dies für uns in Anspruch. Es gibt kein inhaltliches oder formales, prinzipielles oder historisches Problem aller religiösen Fragestellungen, das durch die Lehre von der religiösen Immanenz nicht in ganz neues Licht gesetzt würde; wie ich später vielleicht einmal zeigen werde. Unsere Ausführungen sind nur vom philosophischen Standpunkt aus zu erfassen. Erst muss der von uns zugrundegeiegte Sinn der Begriffe nachgedacht sein, ehe das Ganze zu begreifen