Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Die religiöse Immanenz Ordnung. Die ganze Welt ist ״das versinnlichte Material der Pflicht״; Pflicht selbst urtriebhafte Gestaltung des absoluten Ich. Aber er bleibt dabei nicht stehen. Aus dem Subjekt des Erkennens, dem absoluten Ich (welches immerhin wenn auch nicht ganz in unserem Sinn immanente Deutungsbegriffe sind) wird die objektive pantheistisch gefärbte Gottheit, — eine fast gesetzmassige Selbstentwicklung der religiösen Spekulation. — Auch bei Schelling finden wir die gleiche Tendenz, besonders in seiner durchaus transzendenten Wendung zu Spinoza, dann zum Neuplatonismus. Noch später hat er in der sogenannten positiven Philosophie den Standpunkt der Immanenz (wenn auch in sehr abgew^andelter Form) wieder mitberücksichtigt. Der mythologische Prozess bedeutet eigentlich nur den immanenten Vorgang, der theogonische Prozess den transzendenten, in der religiösen Spekulation. Aber bei Schelling ist tatsächlich noch ein künstlerischer, kein rein philosophischer Trieb am Werk, und die vielen Unklarheiten und Verwirrungen mussten entstehen, da er zu endgültigen bes. naturphilosophischen Klärungen unfähig blieb. — Der innergeistige Prozess im religiösen Bewusstsein vom Immanenten zum Transzendenten und umgekehrt ist ein nahezu typisches Phänomen und muss auch in jeder religionsphilosophischen Betrachtung aus dem Wesen des lebendigen religiösen Bewusstseins beleuchtet werden. Auch der früheren Untersuchung ״Cheruth13״) gegenüber wird so der Standpunkt der Immanenz von klärender Bedeutung. Dort wurde durchaus ״aus dem Vollen“ geschöpft, fast bekennerisch aus der Fülle des Gefühls gesprochen, ohne dass es allerdings in entsprechendes kritisches Licht gesetzt worden wräre. Viel zu viele Töne klingen dort an, ohne dass vorher der Grundakkord schon klar und durchsichtig geworden ist. Eine Polyphonie für wohlmeinende, auch ״musikalische״ Hörer, nicht aber mehr aus dem Geiste des ״Komponisten“ ausreichend. Ein übersprudelndes Weltgefühl will in jedem Fall die Einheit 13) Hermann Weyl: ״Cherutli“ . . . (Eine kritische Studie), Jeschurun VII. Jahrg., Heft 3/4.