Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 446 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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446 Bücherbesprechung Bücherbesprechung. Dalman, Gustav: Orte und Wege Jesu, 2. verbesserte und vermehrte mit 40 Abbildungen und Plänen. Gütersloh 1921 (C. Bertelsmann) X u. 321 S. in gr. 8°. Es ist ein christliches Bach, das vor uns liegt, das aber auch Juden nicht nur lesen, sondern studieren sollten. Ist doch Prof. Dalman heute der beste Kenner Palästinas‘ der bald zwei Jahrzehnte hindurch als Leiter des deutschen evang. Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes zu Jerusalem tätig gewesen. Er ist aber zugleich nach dem Tode Stracks wohl der gründlichste Kenner des talmudischen Schrifttums unter den christlichen Gelehrten, der diesem Schrifttum, soweit dies besonders in einer Arbeit, welche sich mit dem Leben des christlichen Religionsstifters beschäftigt, irgend möglich ist, objektiv gegenübersteht. Die Kenntnis des Landes und die Kenntnis des jüdischen Schrifttums dient ihm dazu, das Verständnis der Urquellen des Christentums zu fördern, dessen Entstehung aber ohne gründliehe Erforschung des zeitgenössischen J adentums, besonders aber der jüdischen Bevölkerung Galiläas, nicht recht begriffen werden kann. Ein jedes irgendwie bedeutsames Moment im Leben Jesus wird daher in diesem Buche durch die zeitgenössischen jüdischen Quellenschriften beleuchtet und jeder Ort, wo er sich aufhielt, und jeder Weg, denn er ging, wird mit Hilfe derselben Quellen erforscht, festgestellt und auf Grund eigener Anschauung beschrieben. Hierdurch fallt natürlich sehr oft neues Licht auf die christlichen Quellen, aber nicht selten auch auf talmudische Realien, die noch besonders durch die heutigen Sitten des Landes beleuchtet werden. So möge denn jeder Talmudist die Ausführungen auf S. 42 über מדבריות und בייתיות lesen; ebenso was S. 89 Anm. 4 über Tos. Bab. K. X 28, oder S. 114 über Maassrot IU 7 (סוכת גיניסר) gesagt wird. S. 79 Anm. 6 wird über das Wunder der Ver- Stopfung des Flussbettes des Jordans gesprochen. Die jüdischen Quellen kennt Dalman, wie bereits bemerkt wurde, durch eigenes Studium. Er vernachlässigt aber auch die Arbeiten jüdischer Forscher nicht; selbst hebräisch geschriebene Aufsätze werden berücksichtigt, — wahrlieh eine seltene, wenn nicht alleinstehende Erscheinung bei den protestantischen Theologen unserer Zeit. Selbst die Erfolge neuzeitlicher jüdischer Kolonisation werden nicht mehr verschwiegen (S. 113), wie denn der Verfasser dem neuen jüdischen Heim sympathisch gegenübersteht. Sein christlicher Standpunkt zum rabbinischen Judentum wird in manchen seiner Bemerkungen (z. B. S. 188, 204, 237, 25ü, 255) wohl sicher mehr in apologetischem Interesse, als wissenschaftlich begründet, etwas einseitig zum Ausdruck gebracht. Trotzdem können wir nicht umhin, seiner Leistung auch vom Standpunkte der jüdischwissenschaftlichen Forschung, und ganz besonders der Erforschung Palästinas, die so wenige gründliche Arbeiter hat, unseren tiefempfundenen Dank auszusprechen und za wünschen, dass es ihm vergönnt sei, durch Ausführung seiner literarischen Pläne die Kenntnis und die Liebe des Heiligen Landes unter Christen und Juden zu fördern. Ich kann aber bei dieser Gelegenheit