Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 443 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2293011-2293018--05936-2299219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die religiöse Immanenz 443 er vermag in der ausgeführten von der Natur unseres Denkens innerlich geforderten Weise das religiöse Bewusstsein im ganzen geistigen Gedankenbau nicht philosophisch abzugrenzen, so sehr er eine ureigenste religiöse Sphäre gerade betont. Das ist ״Existenz‘‘ (Buber nennt es ״Gegenwart“), doch keine wenn auch zu überwindende Erkenntnis. — Was die Vernunft zu erkennen vermag und verpflichtet wird, ist jene Grenzeinsicht, der wir diese Untersuchung gewidmet haben: die religiöse Immanenz. Der religiös Existierende ist eine ״Monade“. Sie hat keine Fenster, durch die sie die ausserimmanente Realität der religiösen Inhalte in philosophischer Erkenntnis erblicken könnte. Das Gleiche, wenn auch nicht als Erkenntnis und Grenz- Setzung, sondern als unmittelbare in der religiösen Existenz sich entfaltende Evidenz, besagt, was מהרש״ל in ein einer תשובה erzählt:9) מה יפה כה של ח ש מקינון אחר שלמד סתריי הקבלה אמר שהוא התפלל כתינוק בן יומו. Alle Versuche, das ״Göttliche“ objektiv, kabbalistisch, magisch zu bestimmen, versinken vor der unmittelbaren Wirklich*״ keit, wie sie dem Kunde und Kindlichen gross und gegenwärtig sein mag. — Im gleichen. Zusammenhang ist zu verstehen, was der Nachfolger des Baalschemtow, R. Dow Ber Meseritscher (der grosse Maggid) über das Gebet sagte: Manche beteten mit Weinen, sie lebten nur in ihrem eigenen traurigen Gemüte fort und konnten die eigene Melancholie nicht überwinden. Andere beteten in der ihnen angeborenen Freude der Seele und gestalteten so auch immer nur sich selbst. Höherstehende versenkten sich während des Gebetes in die Gedanken an Gott, an die weise Weltleitung und erfüllten sich so mit Liebe und Ehrfurcht, mit Dank und Wonne, mit Hingebung und Demut vor seiner Heiligkeit. Aber auch hier sei das Gebet noch durch eine reflektierende Geistestätigkeit erzeugt. Erst wenn der Mensch 9) Zitiert im: (ספד היי אדם בלל י״ד. (ב.