Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 442 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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442 Die religiöse Immanenz gegenwärtigen Rahmen sprengen und sämtliche Religionen miteinbeziehen. Dies wird vielleicht später einmal ausgeführt. Wir begnügen uns daher noch an einigen zusammenfassenden Bemerkungen. Scharf sind die gelebten Inhalte des unmittelbaren Bewusstseins von aller also auch philosophischer Kontemplation darüber getrennt. Die kennzeichnende Art der religiösen Existenz liegt in ihrer Unmittelbarkeit, die als Aktus nie sich in Begriffe einfängt, die als Inhalt nur als gelebter Inhalt, nicht als erkannter noch eigentlich religiös bleibt. Zwar gibt es ״ein Erkennen“, das auch unmittelbar und daher auch religiös sein kann. So heisst es von Abraham: er erkannte seinen Schöpfer, הכיר את בוראו. Aber dies ist eine gelebte Erkenntnis, mehr ein Wiedererkennen, ein Wiederfinden, neue Aufdeckung einer entschwundenen Seelenwirklichkeit. Diese Erkenntnis ist selbst Teilausdruck der Vitalität, ganz wie jedekünstlerische Gestaltung auch ein ״erkennerischer“ und doch ein vitalster Prozess ist. Anders die philosophische Erkenntnis; sie möchte (ob es möglich ist, wird ein neues Problem) die Inhalte des Erkennens für sich betrachten, als Hinweis auf ״Objekte“, wie der Physiker in den optischen, thermischen, chemischen, elektrischen Erscheinungen des Lichts Hinweise erblickt auf die Natur des Lichts, wie der Psychiater aus den physiologischen, chemischen, biologischen, psychischen Erscheinungen bei der zirkulären Psychose ihre objektive Natur, den somatopathologischen Prozess erkennen möchte. Diese Fragestellung gibt es hier nur im unkritischen Sinne noch. Es heisst die Vernunft vergewaltigen, ihr Probleme zuzumuten, denen sie aus ihrer Natur und der Natur des irrationalen selbstgenügsamen Bewusstseins nicht gewachsen sein kann, und an falschen Fragestellungen ihren Tiefsinn zu erproben. B u b e r freilich (wie es in seinem Vortragszyklus ״Religion als Gegenwart“ besonders deutlich wurde) glaubt dieser ganzen Problematik dadurch auszuweichen, dass er immer nur das Unmittelbare, nie die philosophisch notwendige Reflexion sehen will. Damit bleibt er der bedeutende religiöse Gestalter, aber •1