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Jeschurun · 1922-11-01 · Heft 11-12 (November 1922) · p. Seite 441

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 11-12 (November 1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 441 (sequence 57)
Language
German
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Die religiöse Immanenz 441 einzigen Gedanken fand, der die pathetische, oft grössenwahn־ sinnige Geste des Autors hätte rechtfertigen können, und dass bodenlose Ignoranz, verblüffende logisch-psychologische Unsauberkeiten auf jeden ernst Bemühten höchst abstossend wirken. Erst wenn man pathographisch betrachtet, gewinnt Alles tieferes Interesse — als Gegenstand der Pathologie. Von unheimlicher, aber in sich fast metaphysisch-gerechter Tragweite bleibt es, (man kann es nicht ohne Erschütterung sehen), dass dieser junge Mann — hätte er doch zu seinen Jünglingsideen und Pubertätskrisen mehr Distanz gewonnen und den rettenden Weg wenn auch bescheidener Selbstkritik betreten! — dass dieser Mensch und Jude die Entwurzelung seines Daseins mit Selbstmord büssen musste, nachdem er in nie genug zu erkennender geistiger Verworrenheit ein sexualphilosophisches System entwickelt hatte, das indenmehr philosophischen Partieen eklektisch undunbestimmt, in den mehr eigentümlich-sensationellen Untersuchungen über Geschlecht, Charakter, Judentum usw. aber konstruiert, gekünstelt, wirr, von Hass, Unkenntnis und Hochmut strotzt. — Dass er seine gelehrigen, den kaum überbietbaren Meister dennoch überbietenden Schüler und Apostel fand, ist selbstverständlich. — X. Sicher hat Kant alle religiösen Inhalte nicht immanent, sondern transzendent gefasst. Dazu neigt alle natürliche Theologie, und wir finden bei H u m e eine ähnliche wenn auch im Skeptizismus wieder gehemmte Tendenz. Aber in der Kritik der reinen Vernunft gibt es einige auch die Immanenz beachtende Stellen, in der Ideenlehre. — Besonders vermissen wir natürlich bei Kant und allen seinen Schülern jene letzte Aufdeckung religiöser Auton 0 m i e , da Alles bei ihnen sofort in Ethik und Metaphysik verwandelt wird. Mehr in’s Innere ist der Akzent zu verlegen, aus der Rationalität in’s Irrationale, vom Logisch-Umschreibbaren in’s Intuitive. — — — Um nun unsern angedeuteten religionsphilosophischen Entwurf zum Ende zu führen, müssten Untersuchungen folgen, die den

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