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Jeschurun · 1922-11-01 · Heft 11-12 (November 1922) · p. Seite 440

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 11-12 (November 1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 440 (sequence 56)
Language
German
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440 Die religiöse Immanenz der Froschperspektive. Warum destruktiv? Mit viel Pathos und ohne einige massige Begründung wird’s verkündet. An Nietzsche dagegen sei alles ״ein Schaffen, Bauen,,Konstruieren, Befehlen, Bestimmen, der Zweck heiligt die Mittel usw. usw. Alles in ihm ist Zuchtgedanke. Die Juden sind die Opponenten der Schaffenden, ihre Korrektoren, ihre bösen Gewissen״. Und zum Beweise findet er Christus und Spinoza, zwei Erscheinungen, an denen noch jede geistesgeschichtliche Deutung den vorwiegend synthetisch-aufbauenden Zug anerkennen musste. Wir selbst möchten behaupten: das eigentlich Aufbauende bei Beiden war das eigentümlich Jüdische. Was bleibt an Christus, wenn man die von ihm ganz bewusst aus dem jüdischen Leben proklamierten sittlich-religiösen Werte, was an Spinoza, wenn man die eine Substanz in ihrer metaphysischlogisch-ethischenBealität entfernte? — Morgenstern dagegen sieht eine Destruktion, was bei ihm vielleicht Tiefsinn bedeuten mag. Sogar Goethe ist ganz falsch gesehen und völlig unzulänglich in einen germanophilen Zusammenhang ein gezwängt. Aber Morgenstern berauscht sich an seiner Idee vom Judentum. ״Es ist wundervoll, in diese wahrhaft weltgeschichtliehen Dissonanzen hineinzuhorchen״. Wir haben seinen für ihn vielleicht notwendigen Irrtum aufgedeckt und dürfen mit schweigendem Bedauern an ihm vorüberziehn. — Wenn aber Weininger8] ebenso oberflächlich wie geschmacklos, ebenso krankhaft wie pöbelhaft-wahnwitzig das Judentum in fast masochistischer Wut entstellt und an dieser Selbstpreisgabe sein unverkennbares, kaum mehr normal zu wertendes Behagen verrät, darf dies unsere Zusammenhänge nicht bewegen. Keiner seiner Gedanken über Judentum verdient sachliche Auseinandersetzung und Kritik, alle scheinen vielmehr aus einem oft geisteskrank anmutenden Bewusstsein entsprungen. Vielleicht komme ich später einmal auf ihn zurück. Jedenfalls bekenne ich hier mit Nachdruck, dass trotz eingehenden und unvoreingenommenen Studiums seiner Werke ich kaum einen 8) Otto W eininger: Geschlecht und Charakter; dto.: Ueber die letzten Dinge. Wilhelm Braumüller, Wien u. Leipzig.

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