Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 438 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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438 Die religiöse Immanenz elnigung einer Menge Menschen, die . . . sich zu einem gemeinen Wesen unter bloss politischen Gesetzen, mithin nicht zu einer Kirche formten.״ Gott ist bloss ״als weltlicher Regent״ rerehrt. Selbst die 10 Gebote sind ״in jener Gesetzgebung gar nicht mit der Forderung an die moralische Gesinnung in Befolgung derselben (worin nachher das Christentum das Hauptwerk setzte) gegeben, sondern schlechterdings nur an die äussere Beobachtung gerichtet worden.“ ״Das ganze menschliehe Geschlecht“ wurde von seiner Gemeinschaft ausgeschlossen usw. usw.— Man sollte vermuten: die reine Gottesvorstellung müsste Kant doch die religiöse Reife des Judentums erwiesen haben. Wir werden anders belehrt. Auch bei den meisten Völkern ziele die Glaubenslehre zur Einheit Gottes, nur dass sie sich ״durch die Verehrung gewisser jenem untergeordneten mächtigen Untergötter des Polytheismus verdächtig machten.“ ״Denn ein Gott, der bloss die Befolgung solcher Gebote will, dazu gar keine gebesserte moralische Gesinnung erfordert wird,, ist doch eigentlich nicht dasjenige moralische Wesen, dessen Begriff wir zu einer Religion nötig haben. Diese würde noch eher bei einem Glauben an viele solche mächtige unsichtbare Wesen stattfinden, wenn ein Volk sich diese etwa so dächte, dass sie bei der Verschiedenheit ihrer Departements doch alle darin übereinkämen, dass sie ihres Wohlgefallens nur den würdigten, der mit ganzem Herzen der Tugend anhinge, als wenn der Glaube nur einem einzigen Wesen gewidmet ist, das aber aus einem mechanischen Kultus das Hauptwerk macht.“ Was nutzt diese formal-richtige Spekulation, die das innere religiöse Dasein im Judentum aus Gründen wie immer nicht kennt und so auf einer ganz falschen Voraussetzung als einer vermeintlich empirischen Realität sich gründet? Jedenfalls ist gerade in unseren Zusammenhängen die Einsicht wichtig, aus welch völlig entstellten Tatsachen auch völlig entstellende Deutungen bei Kant entstanden sind. — Was er dagegen in der Anthropologie6) über Juden und 6) Kant: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht.