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Jeschurun · 1922-11-01 · Heft 11-12 (November 1922) · p. Seite 437

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 11-12 (November 1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 437 (sequence 53)
Language
German
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Die religiöse Immanenz 437 ist er durchaus berechtigt, auch in Kritik seine jüdische Daseinsart neu zu beleuchten, und andere ihm fremde religiöse Systeme abzulehnen, ohne dass er allerdings damit gewissen historischen, psychologischen, kulturellen Faktoren restlos gerecht wird. Bekenntnis heisst hier lebendiger Seelenausdruck; nicht Erkenntnis, sondern Gestaltung des jüdischen Lebensgefühls. — Gleichwohl ist es auch wissenschaftlich möglich, die religiösen Inhalte des Judentums nicht etwa zu begründen, aber darzulegen. Aus allen selbst mit objektiver Tendenz entwickelten Gedankenreihen geht diese Erdverfestigung, die irdische Sinngebung und sittliehe Verwirklichungsstrebung der jüdischen Weltauffassung hervor; wie dies z B. für die Erziehung von meinem Vater4) gestaitet wurde. Auch hier ist die Grundlage und Grundlegung lebendigst gefasste jüdische Ideenwelt, die Ausführung eine Entwicklung der hauptsächlichen erzieherischen Fragen aus ganz immanent zu nehmendem jüdisch-religiösen Bewusstsein. IX. Hier verweisen wir auf Kant, nicht wegen seiner Religionsphilosophie, nur wegen einer völlig unzulänglichen Auffassung der jüdischen Religion. Man lese die Stellen in seiner ״Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft“ und staune vor der Begrenztheit des Genies. Aus seiner Religionsphilosophie könnten wir manches in einem allerdings sehr abgewandelten Sinn auch in unserem Zusammenhang verwerten. Aber immerhin ist es notwendig zu verbreiten, was Kant über das Judentum gedacht, wie unzulänglich er darüber gewusst hat.5) Da entstellt sich zu unserer Verwunderung ״der jüdische. Glaube“ als ״ein Inbegriff bloss statuarischer Gesetze“, ״denn welche moralische Zusätze entweder damals schon oder auch in der Folge ihm angehängt worden sind, die sind schlechterdings nicht zum Judentum als einem solchen gehörig.“ Wir erfahren: Judentum ״ist eigentlich gar keine Religion, sondern bloss Ver- 4) Adolf Weyl: Die Bedeutung des Hauses im aittestamentliehen Erziehungsplane. Frankfurt a. Main. J. Kauffmann 1903. s) Kant: Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft. 2. kantisehe Originalausgabe S. 186 ff.

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