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Jeschurun · 1922-11-01 · Heft 11-12 (November 1922) · p. Seite 435

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 11-12 (November 1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 435 (sequence 51)
Language
German
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Die religiöse Immanenz 485 Was hier über dogmatische und psychologische Erscheinungen im Christentum gesagt ist, erscheint von typischer Bedeutung. — Heidentum dagegen sei eine völlige Indifferenz dem sittlichreligiösen Wert gegenüber. Ein Tanzen auf dem Abgrund, geheimnisvolle Verzweiflung. Leider ist unter einem unzulänglichen Begriff ״Heidentum״ allzuviel Heterogenes verschwiegen worden. Der umfassende religiöse Denker kommt ohne Miteinbezug asiatischer Religionen z. B. nicht mehr aus. Hier ist die Antike und sie nur unzulänglich begriffen. An Homer wird es überzeugend klar. Er rettete sich (nach Brod’scher Auffassung) aus dem Chaos seiner Seele in die unendliche Vielfalt der Sinnenwelt: eine Tatsache, di^ unseres Erachtens jedem universalen Dichter und Künstler begegnet, weil Jeder sein Seelen-Chaos an der Sinnenwelt zur Gestaltung bringt. Dies nenne ich bei Homer seine naiv-sinnliche Uebersinnlichkeit: wie er, als ein Grosser, die Verewigung alles Geschauten vollzieht. Denn auch alles Sichtbare ist sub specie aeterni gemeint. — Der sonstige grosse Kosmos griechischen Seelentums wird von Brod fast ganz übersehen. Warum? Weil er in seiner religiösen Unmittelbarkeit diese vital-heterogenen Elemente nicht assimilieren konnte. Das Unmittelbare aber kennt seiner Natur nach nicht die Universalität des Geistes. So klärt unsere Auffassung von der religiösen Immanenz ,auch die Begrenztheit des Brod’schen Werkes* * 3). wirklichen Tatsachen auch nach Ansicht dieses Denkers zunächst den überwirkliehen jenseitigen Charakter des Christentums, dieser ״Religion weltüb erlegener Art“, besonders lebhaft angreifen mussten. (Rudolf Bucken: Der Wahrheitsgehalt der Religion. Im Abschnitt: Die Bewegung der Neuzeit wider das Christentum.) 3) Eine höchst mangelhafte Auffassung des Brod’schen Werkes findet sich im Dezemberheft 1921 der ״Neuen Rundschau“ S. Fischer, Berlin: Chronik Werenwags II. — Auch Prof. Hans Ehrenberg (in dem Aufsatz ״Das tragische Deutschland“ (״Frankfurter Zeitung“ Anfang September, erstes Morgenblatt) wird der Vielfalt des Werkes nicht gerecht. Gleichwohl versucht er gewisse Grundgedanken herauszustellen. Auch mag es gewiss berechtigt sein, wenn er es als Mangel bezeichnet, dass die christliche Weltauffassung bei Brod nicht genügend dargestellt ist. Aber Ehrenberg berücksichtigt wiederum viel zu wenig Brod’s prinzipiellen Unterscheidungsversuch zwischen Juden-

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