Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 434 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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434 Die religiöse Immanenz die gewissermassen erst ihr Objekt suchen muss, wie bei so manchen romantischen Lebenssystemen. An starker Wirklichkeit erglühter Sinn bekennt auch das Religiöse als erdhaft-sinnlich wirksame Geistesmacht. Aber seine metaphysische Grundlegung ist durchaus zweifeihaft; muss zweifelhaft bleiben, wie Jeder einsieht, der unsere principiellen Ausführungen verstanden bat. Ihm ist seine metaphysische Deutung und Erklärung auch letzte Wahrheit, vielleicht sogar von wissenschaftlicher Verbindlichkeit. Wir aber erkannten die vollständige Heterogenität von religiöser Existenz und philosophischer Begründung. Religiöses Dasein ist immanent. Es gibt aber keine adäquate philosophisch begründende Erkenntnis dieser Immanenz. Lebend in dieser Existenz vermag man zwar nicht voraussetzungslos zu erkennen, gleichwohl aber zu allem Existentiellen Stellung zu nehmen. So auch B r 0 d. Alles wurde Auseinanderf Setzung mit einer Existenz. Und da diese Existenz einer Seite jüdisch-religiöser Weltauffassung, der unmittelbaren entspricht, ist es zugleich eine Auseinandersetzung seines Judentums mit dem, was er ״Christentum״ und ״Heidentum״ nennt. Was ist hier Judentum? Es betrifft seiner tiefsten Tendenz nach die Wirklichkeit; erblickt in der Vergöttlichung der Realität seinen letzten Sinn, in dem Paradoxen: dass unvergänglichsten das Ewigste erscheint, erscheinen muss. Dies nennt er ״Diesseitswunder״. Wunder, weil es rätselhaft bleiben müsse, wie das Irdische zugleich das Göttliche trägt. Ein Phänomen, das nach unserer Auffassung von der religiösen Immanenz ohne die für uns unzulängliche Brod’sche metaphysische Deutung mehr als irrationales psychisches Faktum demonstriert werden müsste. — Kritik des paulinischen und späteren Christentums folgt zwanglos und überzeugend. Diese Indifferenz des offiziellen Christentums allem Lebendig-Wirklichen gegenüber führte praktisch zum Bankrott des christlichen Gedankens überhaupt2]. 2) Interessante Bestätigung mancher hier gebotenen Gesichtspunkte in allerdings ganz anderen Zusammenhängen findet man hei Eucken. Hier hören wir, wie alle natur-, geschichts- und geistes-