Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 418 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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418 Eine Weihnachtsfeier salzig süssem Schleim und in meinem Geiste stiegen die schreckliebsten Bilder auf. Aus dieser Betäubung weckte mich die Stimme des Kommandanten: ״Wer von Euch ist die höchste Charge?״ ״Ich.״ ״Du bist ein Jude?״ ״Ja.״ ״Sehr gut!“ ״Wer ist noch Jude unter Euch?״ ״Ich, antwortete einer äieiner Freunde.״ ״Das merkt man: man sieht deinem Gesicht an, wie schlau du bist. Und wer noch?״ ״Ich״, erwiderte mein zweiter Kamerad mit zitternder, farbloser Stimme. ״Ihr alle seid Juden? Tod und Teufel! Eine Judenbande! Auch du?״ wandte er sich an den Ungarn. ״Ich . . . nein.״ ״Also: Drei Juden,״ rief der Offizier, Prachtvoll! ״Ausgezeichnet!״ setzte ein anderer hinzu, die sind ״zur rechten Zeit gekommen. Wahrhaftig! Zur rechten Zeit!״ ״Wisst ihr, Juden, was heute für ein Tag ist?״ Ich erinnerte mich, dass es Weihnachten war. Ich schwieg. Der Offizier fuhr fort: ״Heute ist ein heiliger Tag, Juden, ein grosses Fest. Der Geburtstag des Gottessohnes. Ihr wisst, was das ist?״ ״Ja,״ antworteten wir gleichzeitig. ״Gut, natürlich wisst ihr das. — Ihr müsst ja diesen Tag noch besser als wir Christen kennen. Durch euch sind wir ja zu diesem Fest gekommen. Ihr habt doch dazu beigetragen, dass der Gesalbte uns durch seine Leiden verklärt, uns von Schuld und Vergehen versöhnte — und darum, als Dank, sollt ihrjmit uns dieses Fest begehen. Woher seid ihr, Juden? ״Aus Ungarn.״ ״Aus Ungarn?״ — So, so. Mir ist doch, als hätte ich gehört, dass die Juden Ungarns sich ganz besonders darauf verstehen . . . Sagt doch mal, Juden, ist das wahr, dass bei euch,