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Jeschurun · 1922-11-01 · Heft 11-12 (November 1922) · p. Seite 415

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 11-12 (November 1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 415 (sequence 31)
Language
German
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Zum Problem der Ethik 415 gerechten einschliesse. Die monotheistischen Religionen stellen sich Gott als das vollkommenste Wesen vor, das natürlich auch in ethischer Hinsicht vollendet ist (In der jüdischen Auffassung: 'כי קדוש אני ובו). Endlich ist eine religiöse Ethik in ihrem Inhalt und die ethische Gesinnung und Handlung nicht minderwertig, wenn sie nicht aus selbstgegebenem Gesetz fliesst; nur auf ein anderes Gebiet, nämlich das der Religion, ist alles verschoben. Hier wäre an Cohens Abgrenzung zu denken: die Ethik erfindet den Begriff Menschheit als collectivam. die Religion den Neben menschen, das D u. Mit wenigen Worten möchte ich das Problem der Willensfreiheit noch streifen (behandeln kann ich es hier nicht). Mir scheint es aber berechtigt, dass die Wissenschaft einen absoluten Indeterminismus ebenso wenig für die Psychologie wie für die Ethik zugeben kann. Immer kann es bei der sittlichen Freiheit nur um das wesensgemässe, triebfreie Handeln gehen. Wir würden uns in diese Dinge besser hineinfinden, wenn wir die psychologische Kausalität (insbesondere die durch den Willen) nicht mechanistisch fassen. Motivfrei handeln ist für wissenschaftliche Betrachtung unzulässig. Das Schwierige — und daran scheitern Verständnis und Fortschritt auf diesem Gebiet — ist hier das Quantitative. Warum und nach welchen Gesichtspunkten wiegt ein Motiv schwerer als das andere? Es gab auch jüdische Religionsphilosophen, die dem Determinismus zustimmten (Crescas). Die Probleme der Religionsphilosophie — Verantwortlichkeit, Strafe, Verhältnis Gottes zu den Geschöpfen — sind dadurch nicht ausgeschaltet. Auch bei Annahme des Indeterminismus bleiben gar viele offene Fragen. Lohn und Strafe können auch in der deterministischen Ethik Platz finden, und sei es auch als strenge Parallele natargesetzlicher Konsequenz ins Ethische übertragen. Eine Weihnachtsfeier. (Wie ich ia einer Nacht grau geworden). ״ Von Awigdor Feuerstein*) (Frei übertragen von Ari W o 111 g e m u t h z. Z. Telschi). Wer von euch hat schon einmal das Glück gehabt, mitanzusehen, wie man sein Grab gegraben? — Der Gott des Krieges hat mir auch diese Gnade erwiesen als ich in der Gefangenschaft war — eine Nacht. Als Patrouille wurden wir gegen den Feind geschickt, zu fünf. Zufällig waren wir drei Juden und zwei Nichtjuden. Ich *) Aus der ״Hatekufal1% Warschau. Tebeth-Siwan 06S2. Der Auf־ satz trägt dort eine andere Ueberschrift.

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