Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 398 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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898 Die Uratfcribute Gottes usw. zu verfallen; in Alle und Alles beglückender Liebe sich hingeben ohne in dem Verhältnis zur Familie; dem Nächsten, der grösseren Gemeinschaft der erzieherischen Gerechtigkeit etwas zu vergeben. Vor allem aber in den für dein ewiges Heil so grundlegenden Be- Ziehungen zu deinem Gotte! Wieviel Schlingen liegen hier für uns, wenn wir danach trachten, gerecht und voller Liebe zu sein gegen unseren Gott, wie Er es ist gegen uns. Ehrfurcht nennen wir es, wenn wir die Schranke wahren, die das rechte Verhältnis des Menschen zu seinem Gotte fordert, und Liebe, wenn wir Ihm in Selbstentäusserung uns hingeben. Aber wie leicht verwischen sich hier die Grenzen. Wie ist doch die ganze Religionsgeschichte nichts anderes als eine Geschichte der Irrungen und Wirrungen, da immer die rechte Mitte und die wahre Vereinigung verfehlt worden ist. Darum beten wir: ויהד לבבנו לאהבה ומראה את שמך: Hilf uns, dass wir unserem Herzen die Einheit finden zwischen Liebe und Ehrfurcht, wie sie Deinem Wesen gebührt. III. Und das dritte: die Heiligkeit Gottes, sich eng berührend mit den beiden anderen Urattributen. Naturgemäss! Müssen doch in dem einig-einzigen Gotte alle Attribute zusammenfliessen. In einer Besprechung von Rudolf Otto’s Buch: ״Das Heilige״, in dem in diesen Blättern*) erschienenen überaus wertvollen Aufsatz von Heinemann: ״Das Ideal der Heiligkeit im hellenistischen und rabbinischen Judentum״, auf den wir zur Ergänzung unserer Ausführungen aufs nachdrücklichste verweisen, wird gezeigt, wie in diesem dem Judentum fast ganz allein eigenen Begriff die Empfindungen der Ehrfurcht und Liebe gegen Gott in einander fliessen und dass in der Heiligkeit Gottes recht eigentlich das die spezifische Religiosität Begründende liegt, das diese von dem in der Ethik aufgestellten Ideal der sittlichen Vollkommenheit scheidet. Wie fern selbst ein Philo, dessen Religiosität doch sicher über das Ethische hinausgeht, dem von uns empfundenen Judentum steht und dies nur dadurch, •) Jeschurun VIII, S. 99—120.