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Jeschurun · 1922-11-01 · Heft 11-12 (November 1922) · p. Seite 399

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 11-12 (November 1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 399 (sequence 15)
Language
German
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Die Urattribute Gottes usw. 399 dass ihm Wort und Wesen der uns durch die Bibel als Urattribut Gottes gekündeten Heiligkeit Gottes fremd geblieben, ist dort endgültig nachgewiesen. Unter dem vielerlei Gegensatzliehen, das uns die Heiligkeit Gottes aufgibt, möchten wir hier nur das eine hervorheben: die Erhabenheit und Herablassung. Der absolut Heilige ist der vollkommen Abgesonderte, an dem kein Hauch des Irdischen haften kann, keine Beziehung zu der Welt des Diesseits aufzufinden ist. Aber nicht nur dreimal — Rabbi Jochanan bringt ja nur vereinzelte Beispiele — finden wir dort, wo Gottes Erhabenheit geschildert wird, Seine Herablassung. Die ganze Bibel ist erfüllt von Seiner Herrlichkeit und zugleich s. v. v. von Seiner Demut: ״Wer ist wie unser Gott, der so hoch thront, der sich herablässt, um Himmel und Erde zu überschauen“. ״Hoch und heilig throne ich und weile bei dem Zerknirschten und Demütigen“. Wie wird in Talmud und Liturgie der biblische Gedanke, dass der Heilige Seine Schechina in die Räume des Heiligtums eingeengt, dass Er mit Israel leidet in seiner Not, vertieft, und beseelt. Und auch die Heiligkeit Gottes hingestellt als Vorbild für den Juden, der ja durch seinen von Gott ihm vorgeschriebenen Wandel nur Muster und Vorbereiter der allgemein menschlichen Vollkommenheit sein soll. Alle Religion geht auf die zwei Grundgefühle zurück: das der Erhebung und das der Demut. Der Demut, die den Gehorsam gegen Gott nicht aus dem knechtischen Gefühl einer scheuen Angst vor den furchtbaren Schicksalsmächten schöpft, sondern aus dem Bewusstsein der in der Schwäche des Leiblichen gegebenen schlechthinnigen Abhängigkeit von Gott. Und der Erhebung, die die auf Erden geübte Religion als Brücke empfindet zwischen Körper und Geist, zwischen dem Niedersten und Höchsten. In derUeberzeugung, durch die Ueberwindung des Irdischen über die Geister sich erhoben zu haben, spricht darum der Psalmist: Wer gleichet mir im Himmel, im Bunde mit Dir habe ich ja kein Verlangen auf der Erde. In diesem Sinne und nur in diesem Sinne ist unser Religionsgesetz ein Heiligkeitsgesetz. Bedingung der Erfüllung ist die

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