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Jeschurun · 1922-11-01 · Heft 11-12 (November 1922) · p. Seite 395

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 11-12 (November 1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
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Die Urattribute Gottes usw. B9& fassung der göttlichen Gerechtigkeit als allbeherrschendem Prinzip. Der Mensch wird in den Garten Eden gesetzt, die Liebe Gottes spendet dies Glück, aber die Gerechtigkeit fordert, dass er ihn bebaue, dass er dies Glück durch ein Verdienst sich erwerbe. Eine Welt, in der keine Gerechtigkeit mehr herrscht, ist wert, dass sie durch die Sintflut zu Grunde geht. Nur durch das Verdienst der Väter wird Israel erwählt, denn Israel ist an sich nicht mehr wie die Mohren. Und weil es erwählt ist zu Rechten, hat er noch mehr der Pflichten, daher werden an ihm geahndet alle seine Sünden. Schon in der Bibel, aber mehr noch im Midrasch, wird das ״Mass um Mass* bis ins Einzelne durchgeführt, denn jede Schuld rächt sich auf Erden. Wie Gott die Welt nach unwandelbaren Naturgesetzen erhält, so sein Volk durch ein System von Pflichten, aus dem als Ursachen ein ebenso geschlossenes System von Wirkungen folgt: Glück oder Unglück in diesem oder jenem Leben, denn Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit. Und so sehr steht die Gerechtigkeit Gottes im Zentrum jüdischen Denkens, so sehr ist Seine Gerechtigkeit ein Urattribut, dass das einzige religionsphilosophische Problem, das die Bibel eingehend behandelt, das Problem der Theodizee ist. Denn alle Schwierigkeiten mochten hingehen, aber ruhelos schlug das jüdische Herz bei der Frage: Du bist doch der gerechte Gott, warum ist der Lebensweg des Frevlers vom Glück begleitet? Und auf der anderen Seite die Liebe: Was ist denn Gottes Schöpfung anders als ein Ausfluss der Liebe. שד Er ist in Seiner Allmacht sich selbst genug, nicht aus Mangel schuf der Weltenmeister, aber Gottes Liebe wollte andere Wesen zu Seiner Vollkommenheit erheben und nur darum schuf er Welten und Geister, ״sei’ge Spiegel Seiner Seligkeit״. So tritt die Liebe Gottes an den Anfang des All als allbeherrschendes Grundprinzip. Sie umfasst alle Wesen, Seine Liebe erstreckt sich auf all Seine Werke auch auf das Lamm, das zur Schlachtbank geführt. Der grosse Rabbi Jehuda muss dreizehn Jahre Leiden erdulden, weil er das Thoralernen höher gestellt als die Barmherzigkeit zu der gequälten Kreatur.

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