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Jeschurun · 1922-11-01 · Heft 11-12 (November 1922) · p. Seite 394

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 11-12 (November 1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
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394 Die Urattribute Gottes usw. ״ יקוב הדין את ההרes durchbohre das Recht den Berg״, so darf in jedem Sinne gefragt werden: ״Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben?“ Die Gerechtigkeit Gottes entspricht ja nicht dem Rechtsverhältnis, das der Staat oder das Volks״ bewusstsein zwischen Personen nnd Klassen konstituiert, es ist absolut von ewig-sittlichem Charakter. Kann von ihm niemals gelten, dass es auf die Spitze getrieben, zum höchsten Unrecht wird, weil eben Gott in seiner Gerechtigkeit alle Masse abgemessen, so darf ebensowenig an den von ihm für seine Weltenleitung gesetzten Bestimmungen gedeutelt und gerüttelt werden. Er hat sich und der Welt das Recht gesetzt, wer könnte es ändern? Und die Liebe, soll das Wort seinen Sinn behalten, kann sie sich Schranken setzen lassen durch die Gerechtigkeit, muss sie nicht allumfassend sein, auf den Schlechten wie auf den Guten sich erstreckend, von den Fehlern die Augen schliessen, alles hingeben und nichts fordern, in allen Betätigungen und Beziehungen sich so recht in Gegensatz stellen zu dem, was die Gerechtigkeit fordert, die eifersüchtig wacht, ob das Rechtsverhältnis zwischen den beiden Kontrahenten gewahrt wird? Und doch empfinden wir Gott zugleich als den Allgerechten und AlliebendeD. Niemand hat es bezweifelt, dass für das Judentum von Anbeginn auf Gerechtigkeit und Recht der Thron Gottes gegründet ist, niemand, der nicht in Vorurteilen befangen ist, kann bezweifeln, dass nach biblischer Anschauung Gott die Welt auf der Liebe aufgebaut. Gott erwählt Abraham, damit er seine Kinder das göttliche Prinzip der Gerechtigkeit lehre, und Mosche werden auf seine Frage nach den Wegen Gottes die Attribute der göttlichen Liebe verkündet, ln erhabenen, von keiner Literatur erreichten Worten, künden die Propheten die waltende Gerechtigkeit Gottes im Leben und Weben der Einzelschicksale und das Auf und Ab des Völkerentstehens und Vergehens. Aus den Herzensworten der Gatten- Kindes- und Freundesliebe werden die zartesten und innigsten Klänge genommen, um die Liebe Gottes zu seinen erwählten Geschöpfen zu schildern. Wo wir nur ansetzen, begegnen wir in der jüdischen Auf-

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