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Jeschurun · 1922-11-01 · Heft 11-12 (November 1922) · p. Seite 393

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 11-12 (November 1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 393 (sequence 9)
Language
German
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Die Urattribute Gottes usw. 393 gemein zu beobachtenden Rückschlag gegen jede Form des Materialismus, Skepticismus, Monismus sich beugend, in Nachahmung, der neuaufgekommenen Strömung des Mysticismus huldigt, so wird hier eine Harmonie des Inneren vorgetäuscht. Diese ganze Hingabe an das Geheimnisvolle stellt in der Verschwommenheit des Denkens, in der exstatischen Ueberreizung des Fühlens, in der Abruptheit des Wollens nur eine erhöhte Zwiespältigkeit dar. Das macht: Wir wollen über unseren Schatten springen. Wir suchen jene abstrakte Einheit, die Einheit ohne Vertiefung in Gottes Wesen. In den Leib gebannt und mit der Seele uns emporschwingend, die Füsse fest auf Erden und mit dem Haupte zum Himmel reichend, wie die Offenbarung uns in der von ihr für den Menschen geprägten Sprache g61ehrt, sollen wir den Gegensatz anerkennen und dem göttlichen Vorbilde nachstrebend, in dem die Einheit Wirklichkeit ist, diesen Gegensatz zu überwinden suchen. Man muss es bei den jüdischen Religions- Philosophen nachlesen, mit welchem Glück sie die Erfassung des jüdischen Einheitsbegriffes beseligt und in unseren klassischen Dichtungen, von den erlesenen Midraschim an bis auf die schönsten Blüten der Liturgik, mit welchem Leben in immer neuen Bildern den Gottesbegriff erfüllt wird, um das rechte Verständnis dafür zu gewinnen, warum unsere Altvorderen so in sich zu einer lebendigen Einheit zusammengeschlossene Persönlichkeiten gewesen und wie wir nur auf diesem Wege aus der Verwirrung zur Klar- .heit, aus der Spaltung zur inneren Harmonie gelangen können. II. Auch das zweite Urattribut, das der liebenden Gerechtigkeit Gottes, enthält einen inneren Widerspruch, wenn dieses auch nicht wie bei dem Urattribut der Einheit dem Menschen so zum Bewusstsein kommt, weil in letzteren Falle vornehmlich unser Denken, in ersten unser Fühlen beteiligt ist. Gerechtigkeit fusst auf dem Recht, und dies ist unerbittlich, darf sich nicht von Mitleid und Mitgefühl, nicht von Liebe und Gnade beeinflussen lassen. Wenn der himmlische Richter in seiner Gerechtigkeit das Vorbild des Irdischen sein soll und für diesen gilt:

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