Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 390 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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890 Die Urattribute Gottes usw. Kabbala, die ihre an sich tief schürfenden Gedanken über Gott in ein stark anthropomorphes Gewand kleidet. Es bedarf freilich ebensowenig für den Kenner der jüdischen Literatur des Hinweises, dass keine Zeit über den lebendigen in dem Vielerlei der in die Welt ausstrahlenden Wirksamkeiten die Einig-Einzigkeit vergessen ebensowenig wie sich je auch dem kühnsten Denker Gott zu einem wesenlosen Begriff verflüchtigt hätte, dass er nicht alles, was von Gott an lebendiger Betätigung der Persönlichkeit ausgesagt wird, in seinem Glauben bejaht hätte. Zeuge des ist der Maimonides des More Nebuchim und Jad Hachäsaka♦ Was folgt daraus? Jener Gegensatz der Einheit und Vielheit, eine rechte Antinomie, wurde gedanklich erkannt aber im religiösen Empfinden überbrückt. Und es war letztes Endes die Grundüberzeugung aller: Denke und glaube so, dass von Gott dem Einig-Einzig-Einheitlichen nichts ausgesagt werden darf, das den reinsten Monotheismus trüben könnte! Aber bete und handle so, als ob eine lebendige Persönlichkeit über dir und vor deinen Augen waltet, mit der dich Beziehungen verknüpfen, wie sie das menschliche Vorstellungs- und Empfindungsvermögen nur nach Analogie des Ebenbildes Gottes auf Erden mit der rechten Deutlichkeit und Wärme erfüllen kann. Wir, die wir nicht mit der vornehmlich auf der Bibelkritik beruhenden Eeligionsgeschichte der neueren Zeit annehmen, dass der Gottesbegriff von dem Volke Israel selbst geschaffen sei in entwicklungsgeschichtlichen Vorgängen, deren Niederschlag wir in den Literaturdenkmälern von J über E, Propheten, Deuteronomium, Ezechiel, Heiligkeitsgesetz, Deuterojesajah bis auf PC und den letzten Eedaktor verfolgen können, wir, die wir nicht den Systematikern der jüdischen Eeligionsphilosophie unserer Zeit einem Köhler, Neumarck, Cohen, die alle auf diesem Grunde bauen, folgen, wir, die wir der Ueberzeugung sind, dass die Gottheit durch Mosche und seine Thora 1ms den reinen Gottesbegriff offenbart, werden in dem Umstande, dass die Thora selbst es ist, die nebeneinander die abstrakte Einheit und die konkrete lebendige Persönlichkeit uns kündet, eine Absicht