Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 389 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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889 Die Urattribute Gottes usw. machen. Und als Reaktion folgt dann in Talmud und Midrasch eine ebenso über alle Grenzen gehende Vermenschlichung, ja Judaisierung des Gottesbegriffes: Gott in der Thora lernend, als Vorbeter, die Gebote im Einzelnen befolgend, Sein Sanhedrin, Seine פמליא um Rat befragend, sich ihr in der Entscheidung unterordnend. Wie sollte anders, so meinen die Gegner, der rein abstrakte Gottesbegriff mit Leben erfüllt werden? So wurde es für das Judentum, das den trinitarischen Gottesbegriff, der ©inen der Menschheit innewohnenden Gott verkündet und dadurch alle Schwierigkeiten löst, unmöglich, einen zugleich reinen und lebendigen Gottesbegriff sich zu erhalten. Ich bin an anderer Stelle*) auf dies Schlag wort von der Judaisierung des Gottesbegriffes eingegangen. Nur auf eine merkwürdige Erscheinung sei hingewiesen, dass diese Darsteller der jüdischen Theologie nie an den naheliegenden Einwand denken, dass uns doch bei den Propheten, denen die Annahme eines reinen Gottesbegriffes von ihnen am wenigsten abgestritten wird, die stärksten Antropomorphismen begegnen, nicht nur Vergleiche aus dem Menschenleben, sondern aus dem der Tierwelt. Es bedarf ja für uns nicht vieler Worte, dass die Dreieinig־■ keitslehrs in jeder Form auch der vergeistigten, einen Abfall von Monotheismus bedeutet. Aber ebenso wenig wollen und können wir leugnen, dass das Judentum rein gedanklich das Problem nicht zu lösen vermag. Daher ist es gekommen, dass die ver* schiedenen Zeiten bald mehr die eine bald mehr die andere der gegensätzlichen Formen von Gott zu denken und zu sprechen ausgebildet haben. Haben wir in der Bibel die Anthropomor* phismen, so in der ersten nachbiblischen Zeit die strengere Be* tonung des transcendentalen über alles Menschliche erhabenen Gottes, Talmud und Midrasch mit ihren dem Volksempfinden so nahestehenden Ausmalungen göttlicher Tätigkeit nach dem Muster des jüdisch-menschlischen werden abgelöst durch die immer schärfer abstrahierende Denkarbeit der jüdischen Religionsphilosophie, gegen die sich wiederum eine Reaktion erhebt in der :) Das Religionsgesetz in jüdischer Beleuchtung, Heft 1.