Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1922-11-01 · Heft 11-12 (November 1922) · p. Seite 388

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 11-12 (November 1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2293011-2293018--05881-2299164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

38 8 Die Urattribute Gottes usw. I. Die Einheit Gottes ist nicht die Einheit der Zahl, dass Er ein Gott wäre, wie es auch von anderen Dingen eine Eins geben kann, Er ist der Einzige, ein völlig anderes als der Höchste der Götter, wie ihn andere Religionen verkündet haben. Er ist der allein Seiende, dem gegenüber die Welt im wesenlosem Scheine verschwindet. Von der Bibel über die Targumim, Talmud und Midrasch, die jüdischen Religionsphilosophen bis auf die neueste Zeit gehen die Versuche, an dieser Einheit den Charakter der Einzigkeit hervorzuheben. Das scheinbar ausserliehe Eins des אחד wird im jüdischen Sprachgebrauch erweitert zum יחוד und die Einzigkeit noch schärfer gefasst als innere Einheit, dass in Gott keinerlei Spaltung, keinerlei Zusammen- Setzung gedacht werden könne, ja bei Maimonides, der wie in vielen einen Gipfelpunkt der jüdisch-gedanklichen Entwicklung bedeutet, wird sie dahin gesteigert, dass man im eigentlichen Sinne Gott keinerlei Attribut beilegen dürfe. So ist die Einheitslehre des Judentums ein durch die ganze Menschheitsgeschichte ertönender Protest nicht nur gegen den Polytheismus des Heidentums, den ethisch hochstehenden Dualismus der persischen Religion, sondern auch gegen die Dreieinheitslehre des Christenstums in. all ihren Formen, auch den hochstehendsten, wie sie von einem Hamack und Tröltsch ihre verfeinerte Prägung erhalten. Freilich dieser Vorzug des Judentums wird von nichtjüdischer Seite ihm als Fehler angerechnet. Die Schroffheit dieser Lehre habe das Judentum in einen Gegensatz verstrickt, der ihm die Annahme eines lebendigen und doch in seiner Erhabenheit reinen Gottesbegriffes unmöglich gemacht. Unsere eigene Literatur zur Zeit der Erstehung des Christentums wird dafür als Zeuge angerufen. Die Targumim steigern die Ueber- Weltlichkeit Gottes ins Grenzenlose, sodass sie aus Scheu, Gott als Urheber einer Handlung, ja nur eines Redens ins Menschliehe herabzuziehen, überall Mittelwesen einschieben, den jüdischen Gottesbegriff zu einem völlig leeren, abstrakt monistischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.