Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- Seite 383 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Hermann L. Strack 283 Zeugnis gediegener jüdisch-wissenschaftlicher Gelehrsamkeit legt er schon früh ab in seiner Schrift .,A. Firkowitsch und seine Entdeckungen: ein Grabstein den hebräischen Grabschriften der Krim.״ Er behauptete da tapfer selbst gegen einen Chwolson das Feld. Stracks umfassende Arbeiten für die hebräische Grammatik, die alttestamentliche Exegese, seine ganze Tätigkeit als Vertreter dieses Lehrfachs an der Universität Berlin können wir und brauchen wir auch in diesem Zusammenhänge nicht zu schildern. Nur nebenbei sei bemerkt, dass er auch hier, seinem Lehrer Delitzsch gleich, manches zur Kenntnis der Bibelhand- Schriften und der Massora beigetragen. Schon 1875 gab er mit A. Harkavy zusammen den Katalog der hebräischen Bibelhand- Schriften der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek in St. Petersburg heraus. Auf das Lehrbuch der neuhebräischen Sprache und Literatur, von ihm gemeinsam mit Karl Siegfried verfasst, sei nur kurz verwiesen. Verdienstlich sind seine Textausgaben mit beigegebener Uebersetzung einer Reihe von Mischnatraktaten, die für die christlichen Kreise die gleiche Bedeutung gewannen, wie die von Samter, Hoffmann, Baneth, Petuchowski, Cohn herausgegebene Mischnaübersetzung für die Unsrigen. Bis jetzt unübertroffen und auch für uns unentbehrlich ist seine ״Einleitung in den Talmud״ die mit seltener Exaktheit gearbeitet, eine Reihe von Auflagen erlebt und auch ins Hebräische übertragen ist. Mit welcher Gewissenhaftigkeit diese Einleitung gearbeitet ist, mag ein kleiner Zug illustrieren. Um eine kleine Notiz in der jüngsten Auflage richtig zu ergänzen, scheute er — damals schon schwach und krank — nicht den Weg in unser Rabbinerseminar, um in einer Konferenz mit uns Dozenten das festzustellen. Wehmütige Erinnerungen steigen in uns auf, wenn wir an das schöne Verhältnis denken, in dem er zu dem jetzt dahin gegangenen alten Geschlecht unserer Dozenten stand, wie dankbar er für die Förderung war, die er von Barth, Berliner, Hoffmann erfahren und wie tapfer er wieder Hirsch Hildesheimer in seinem Abwehrkampf gegen den Antisemitismus beistand. Aber es gab wohl kaum irgend einen jüdischen Gelehrten von Bedeutung, mit dem er nicht in Verbindung stand. Das Literarische Zentralblatt, vor allem aber die Theologische Literaturzeitung bringt fast ein halbes Jahrhundert in jedem Jahrgang eine Reihe von Besprechungen aus seiner Feder, vorzüglich über Erscheinungen auf dem Gebiet der jüdischen Wissenschaft. Bei aller Objektivität und den sachlichen Ausstellungen ist es ihm stets — das erkennt man fast aus jeder Besprechung — Bedürfnis, zu loben. Es fehlt ihm, gerade weil er sachverständig ist, an jener Ueberheblichkeit,