Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- Seite 381 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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Gertrud Marx usw. 881 Stücken sogar an die Droste-Hülshoff heran, überragt an inneren und äusseren Vorzügen aber auf jeden Fall unsere landesüblichen jüdischen Gelegenheits- und Andachtspoesien eines Sachs, Salomon Kleys und anderer, oder die Albumverse der Fanny Neuda und ähnliche Reimereien ohne poetischen Duft und Gehalt, die in den Anhängen der goldstrotzenden Gebetbücher unserer jüdischen Töchter und Frauen leider noch viel zu viel Platz einnehmen. Ein besonderes Wort der Anerkennung verdient die Herausgeberin der Gedichte, deren feines Verständnis in der An- Ordnung und Einteilung der zusammengehörigen Stücke man uneingeschränkt loben muss. Hermann L. Strack. ״Das rein wissenschaftliche Interesse an der Literatur des jüdischen Volkes und das geistliche an dessen Bekehrung haben lange um meine Seele gestritten״. Dies Motto aus einer Schrift Franz Delitzschי setzt David Kaufmann an die Spitze seines gedankentiefen und spraehgewaltigen Nekrologs, den er jenem grossen alttestamentlichen Exegeten und bedeutenden Kenner und Förderer jüdisch-wissenschaftlicher Literatur widmet1). Das gleiche Wort gilt auch von dem jetzt dahingegangenen Gelehrten und es dürfte fraglich erscheinen, ob diese Zeitschrift, die mit Nachrufen so überaus sparsam ist, ihm einem Manne gewähren soll, der als ein Schüler Franz Delitzsch', Gründer und jahrzehnte lange Leiter des Berliner Institutum Judaicum, der Pflanz- und Lehrstätte für die Judenmission gewesen. Aber die natürliche Abneigung gegen diesen Zweig der Tätigkeit der christlichen Kirche darf uns nicht daran hindern, öffentlich zu erklären, dass es wohl keinen Einzigen unter den christlichen Gelehrten des letzten Menschenalters gibt (Franz Delitzsch ist 1890 gestorben), dem das Judentum zu solchem Danke verpflichtet ist. Und wer da weiss, welche lächerlich geringen praktischen Erfolge die Judenmission aufzuweisen hat (und dazu kommt, dass die Gelehrten des Institutum Judaicum ja mit der eigentlichen Missionartätigkeit überaus wenig zu tun haben) der wird gestehen müssen, dass das für uns Unsympathische *) Franz Delitzsch: Ein Palmzweig aus Juda auf sein frisches Grab* von Professor Dr. David Kaufmann. Jüdische Presse 1890, No. 28—80, zugleich englisch erschienen in Jewish Quarterly Review.