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Jeschurun · 1922-09-01 · Heft 9-10 (September 1922) · p. Seite 379

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 9-10 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 379 (sequence 75)
Language
German
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Gertrud Marx usw. 379 matisch deutlich, fast lehrhaft ausgesprochen wird. Kurz, es fehlt das Leichtbeschwingte, die ״Stimmung״ in den ״Naturbildern“. Dafür entschädigen uns die ״Selbstbekenntnisse“, die ״Lebenslehren“, auch ״Frauenschicksal״, durch edle Gedanken und durch reinste Blüten. Welche Leitgedanken das Buch durchziehen? Wieder werden die alten lieben Tone angeschlagen von der hohen Priesterinnen-Mission der jüdischen Mutter, (״Und eine schwache Hand, die mühsam bucht, Was Mutterseelen durch die Zeiten tragen“ heisst es gleich im Widmungsstücke,), von den Kindern als Unterpfänder höchsten Lebensglücks (״Die Kinder machen erst das Leben wert . . . Und unsern Kindern heisst es Vorbild sein“), von süsser Tyrannei der Enkelkinder, von dem unbesiegbaren Glauben an Licht und Liebe im Menschen, der sich nur dem Mutterblicke erschliesst ... Doch auch neue, starke Töne werden angeschlagen, besonders in den ״Lebenslehren״, die die besten Stücke enthalten. Zweifel, Skepsis, Auflehnung, Todesnacht erhebt für Augenblicke das Haupt, des Menschentums arme Blosse enthüllt sich der Dichterin, sie verlangt nach Erkenntnis der so ungleichen Gesetze des Weltgeschehens. Hier gelingen der Verfasserin auch starke, sprachgewaltige Akzente. Doch bald (vielleicht etwas zu bald!) löst sich das Gewölk der Zweifel in Harmonien: Selbstbescheidung, Begrenzung der menschlichen Erkenntnis auf die Gesetze der Liebe zu Haus und Nebenmenschen, Verweisen auf Gott als letzten Wahrheitsquell, Werden, Uebergang und Entschwinden in jedem Seienden, die Einheit in der Vielheit des Alls, das Relative von Glück und Schönheit, die Freude in der Erinnerung an vergangene Seligkeiten, die zuinnerst zu erringende Festigkeit bei entschwindendem Glücke (״Oft erbaut sich noch aus Trümmern ein bescheidenes Altersglück“)-so ungefähr Hessen sich die angeschlagenen Themen umschreiben. Doch über allem schwebt als Oberton die wehmütige Resignation des Alters und das mutige Teilnehmen an den Bestrebungen der emporstrebenden Jugend.

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