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Jeschurun · 1922-09-01 · Heft 9-10 (September 1922) · p. Seite 377

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 9-10 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 377 (sequence 73)
Language
German
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Die Bedeutung David Hofimanns usw. 377 Gertrud Marx, Gedichte. Neue Folge.1) besprochen von Dr. Armin Blau, Hamburg. Ein seltsames Gefühl beschleicht den Leser, der die nachgelassenen Werke eines Verstorbenen, der ein bedeutendes Leben gelebt, zur Hand nimmt, ein Gefühl von Wehmut und von verlorener Glücksmöglichkeit. Wie aus vergilbten Blättern weht es uns entgegen, und erschauernd ahnen wir den Flügelschlag unsichtbarer Geister. Umso eigener und tiefer erfasst uns dieses Verbundensein mit dem Abgeschiedenen, je besser wir den Toten gekannt zu haben glauben und je näher er unserem Empfinden durch das dichterische Vermächtnis rückt. Gertrud Marx, die jüdische Dichterin und bedeutende Frau, deren erstem Gedichtbande wir schon eine eingehende Würdigung gewidmet haben, (s. Jeschurun Band VI S. 603—613) schenkt uns aus Grabesferne in einer neuen Folge von Gedichten ein zweites Vermächtnis ihrer dichterischen Persönlichkeit und vervollkommnet damit das Bild, das wir an jener Stelle von ihr zu entwerfen versucht haben. In jener Besprechung trat uns G. Marx als eine Eigene entgegen im jüdischen Dichterkreise, als eine kraftvolle, eigenwertige Persönlichkeit, in ihrer Vereinigung von starker, tieffrommer Religiosität mit allgemein menschlicher, dichterisch gültiger Formengestaltung. Dort sprach ein weiser, in Stürmen des Lebens gestählter Geist Bekenntnisse starken Glaubens und freudiger Lebensbejahung. Keine trübe Lebenserfahrung, kein weibliches Verzagen vermochte ihren Optimismus zu beugen, keine Zweifelsqualen ihren Lebensmut und ihren Glauben an eine göttliche Ordnung im Welten weben zu mindern. Jüdisches Leben und jüdische Festesfreude und Fastentrauer, wie sie alljährlich wiederkehren, zogen dort vielgestaltig an uns vorüber, ein jedes Ereignis von der Verfasserin gedanklich liebevoll, sinnigweise mit einem dichterischen Kranze umrahmt. Keine tieferschütternden Heilsweisheiten, keine kunstvoll geballten Offenbarungen orphisch-orakelnder ״Neutöner״ wurden von der 1) Verlag Gräfe & ünzer, Königsberg i. Pr. 1922.

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