Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- Seite 332 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2293011-2293017--05815-2299098- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
332 Untersuchungen über die Entwicklung usw. Lassen sich einheitliche Gesichtspunkte aufstellen für die Art und Weise, wie solche (unbeabsichtigte) Fälschungen §ich vollzogen? § 16. Je umfangreicher das Interessengebiet wurde, dem die Massoreten ihre Studien widmeten, für desto notweniger hielten sie es, einen Teil ihrer Arbeit den Schreibern (Kalligraphen) zu überlassen. Diese, haben dann nicht allein in Verfolgung kalligraphischer Zwecke (cf. K. II § 5 Anm. 14) die genaue Ueberlieferung der Massoraangaben gefährdet, sondern Hessen sich neben diesen Schreibfehlern auch Verständnisfehler zu Schulden kommen. Und deren Wirkung war besonders verhängnisvoll; denn während es sich bei der ersteren Art um mehr oder weniger zufällige Versehen handelt, bestanden die Verständnisfehler darin, dass die Schreiber — einem gewissen Schema, System folgend — die Listen solange änderten, bis sie ihrem mangelnden Verständnis entsprachen. Aber es wäre nicht richtig, wollte man nur die Schreiber für diese Entstellung der Listen verantwortlich machen. Die (wissenschaftlichen) Massoreten selbst tragen dieselbe Schuld. Trotz ihrer Genauigkeit und Exaktheit im Arbeiten, die u. E. im allgemeinen höher geschätzt 7werden muss, als es bisher zu geschehen pflegte, versagten sie hier. Man wird sich darüber nicht wundern, wenn man erfährt, dass auch jüngere Bearbeiter der Massora, denen doch das Rüstzeug der modernen Wissen- Schaft zu Gebote stand, dieselben falsche Wege gehen. Der Umstand, dass auch die eigentlichen Massoreten an den Entstellungen Anteil haben, legt uns den Gedanken nahe, dass die Missverständnisse in der Erklärung und Auslegung der Massoraangaben nicht so sehr auf Nachlässigkeit und Oberflächlichkeit als auf tiefliegende Ursachen diffiziler Natur zurück- Zufuhren sind. Und zwar werden sie uns klar werden, wenn wir uns zuvor eine kleine Abschweifung über die Sprache der Massora im allgemeinen gestatten. § 17. Die wenigen massoretischen und grammatischen Termini technici, deren sich die Massora zu Beginn ihrer