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Jeschurun · 1922-09-01 · Heft 9-10 (September 1922) · p. Seite 328

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 9-10 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 328 (sequence 24)
Language
German
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328 Die religiöse Immanenz menologisch gesprochen: die Objektivierung des Immanenten, und indem so die Gottheit in Welt und Menschen erschaut wird, ist jene innige Verschmelzung eingetreten, die alles konkrete Dasein genügend erklärt. — Religionsgeschichtliche Tatsachen machen es allerdings notwendig, darauf hinzuweisen, dass der immanent religiöse Trieb nicht immer zur Objektivierung und Selbsterkenntnis in der Gott-־ heit aufzusteigen vermag. Immer aber wird nach einer Objektivierung gestrebt, und es wäre lehrreich genug (was wir uns hier leider versagen müssen) diese verschiedenen Stufen der religiösen Objektivierung in ihrer inoerlichen Weiter־ und Höherstrebung, diese Dialektik des religiösen Bewusstseins an der unerschöpflichen und immer neu-schöpferischen Fülle religiösen Geistes- und Seelenlebens aufzudecken. — Später soll dies Gegenstand einer eigenen Untersuchung werden. —־׳ Wir müssen sagen: Alle religiösen Inhalte (und alle menschliehen Lebensinhalte im weitesten Sinn werden dem Religiösen religiös), alle Inhaltlichkeiten des religiösen Lebens saugen ihre eigentümliche Kraft aus der Wurzel des spezifisch religiösen Lebensgefühls. (Welche Einsicht einfach nur eine Variante unserer Ansicht von der religiösen Immanenz bedeutet.) Das als Immanenz Erkannte: der eigenschöpferische religiöse Gestaltungsprozess leuchtet immer empor: uns Erkennenden, indem wir diese Ur-Tätigkeit auch als das Urphänomen in allem religiösen Dasein schauend beschreiben, als ein phänomenologisch Letztes bezeichnen müssen; uns Lebenden, indem wir diese Ur-Tätigkeit immer aufs Neue verwirklichen, (1) ganz spontan, schöpferisch-naiv als Naiv-Fromme, oder (2) in der bei fortschreitender seelischer ״Differenzierung״ immer aufzuzeigenden Doppeleinstellung (die anfangs quälend ist, erst bei Erkenntnis ihrer inneren Notwendigkeit als unvermeidliche Antinomie im menschlichen Bewusstseinsleben ertragen werden kann): dass wir schöpferischreligiös leben oder danach streben und dass wir zugleich dieses schöpferisch-religiöse Leben oder Lebensstreben in seiner inneren Struktur immer tiefer auch zu begreifen suchen müssen. —

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